Mein erstes eigenes Pferd – Tipps für frisch gebackene Pferdebesitzer

Mein erstes eigenes Pferd – Tipps für frisch gebackene Pferdebesitzer

Mein erstes eigenes Pferd

Ich war so aufgeregt als ich mein erstes eigenes Pferd gekauft habe, dass ich über so einige wichtige Dinge zunächst gar nicht nachgedacht habe. Und sogar jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, kribbelt es wieder in mir! Damit Du aber gut vorbereitet bist und alles parat hast, wenn es heißt “Mein erstes eigenes Pferd”, gebe ich in diesem Beitrag Tipps für werdende sowie frisch gebackene Pferdebesitzer!

Mein erstes eigenes Pferd – Tipps für frisch gebackene Pferdebesitzer

Worauf Du achten solltest und was zu einer guten Erstausstattung gehört!

1. Bürokratisches

Auch wenn das Herz meistens verrückt spielt und auch ich am liebsten die ganze Welt umarmt hätte, als ich mein erstes eigenes Pferd bekommen habe, müssen ein paar wichtige Dinge erledigt werden. Neben dem Abschluss des Kaufvertrages und einer guten Haftpflichtversicherung für Dein Pferd, gehört auch eine Neueintragung im Equidenpass dazu.

1.1 Kaufvertrag

Wichtig ist natürlich, dass Du einen rechtlich korrekten Kaufvertrag mit dem alten Besitzer Deines neuen Pferdes abschließt. Dieser regelt neben der Höhe der Kaufsumme auch die Möglichkeit, das Pferd im Falle gesundheitlicher Schäden, die beim Kauf verschwiegen wurden, zurück zu geben. Als ich mein erstes eigenes Pferd gekauft habe, habe ich nicht sehr genau auf die Einzelheiten im Kaufvertrag geachtet, und der ehemaligen Besitzerin vollstens Vertraut – und ich bin ihr auch heute noch dankbar, dass sie sich an unsere mündlichen Absprachen gehalten hat!

Halte alle Absprachen schriftlich fest!

Dennoch würde ich Dir im Nachhinein raten, alle Absprachen schriftlich im Kaufvertrag festzuhalten. Ich habe sehr häufig mitbekommen, wie Absprachen nicht eingehalten wurden, Pferde ganz anders beschrieben oder Verletzungen gar verschwiegen wurden. Zu oft habe ich frisch gebackene Pferdebesitzer getroffen, die enttäuscht wurden und auf einmal ein Pferd neben sich stehen hatten, das nach ein paar Tagen ein ganz anderes war als am Tag der Besichtigung und des Kaufes.

1.2 Haftpflichtversicherung

Ganz wichtig, und doch oft vergessen, ist zudem, dass Du eine gute und vor allem ausreichende Haftpflichtversicherung für Dein Pferd abschließt. Diese deckt Sach- und Personenschäden ab, die durch Dein Pferd entstehen können, wie z.B. kaputte Weidezäune oder gar Verletzungen, die bei Reitunfällen oder im Umgang mit Deinem Pferd entstehen. Dabei solltest Du Dich wirklich gut informieren und verschiedene Anbieter vergleichen. Hier ein paar Dinge, auf die Du achten solltest:

Wichtige Punkte bei einer Haftpflichtversicherung
– Die Höhe der Selbstbeteiligung bei Sachschäden und Unfällen
– Mitversicherung von Fremdreitern (feste Reitbeteiligung und Freunde)
– Versicherung von Gebiss- und Sattellosem Reiten
– Mitversicherung von kurzen und längeren Auslandsaufenthalten
– Mindestvertragslaufzeit & Sonderkündigungsrecht (üblich sind 12 Monate, Ausscheiden bei Tod des Pferdes)

Tipp: Kläre mit Deiner eigenen Krankenversicherung ab, in wie weit Versicherungsschutz bei einem Reitunfall besteht bzw. wann und wie die Haftpflichtversicherung Deines Pferdes einsetzt.

1.3 Equidenpass

Als ich mir mein erstes eigenes Pferd gekauft habe, hatte die Vorbesitzerin bereits einen Equidenpass für mein Pferd. Diesen hatte sie Jahre zuvor beim Verband der Züchter des Arabischen Pferdes (VZAP) beantragt und sich als Besitzerin eintragen lassen. Für mich kam also die Frage auf, ob ich mich nun als neue Besitzerin eintragen lasse oder nicht. Dazu hätte ich den Pass beim VZAP einsenden, den Kaufvertrag als Kopie beilegen sowie eine Bearbeitungsgebühr zahlen müssen.

Namensänderung

Ich kann heute nicht mehr genau sagen warum, aber ich habe mich nie als neue Besitzerin eintragen lassen. Dennoch würde ich Dir raten, diesen kleinen Aufwand zu betreiben sowie die Gebühr zu zahlen, damit Du auch offiziell bei der Behörde als Besitzer eingetragen bist sowie eine Eigentümerurkunde erhältst. Dies kann in einigen Situationen von Vorteil sein, da Du somit rechtlich besser abgesichert bist.

Neuantrag

Falls Dein Pferd kein Equidenpass besitzt, solltest Du diesen natürlich bei der zuständigen Behörde beantragen. Auch hierfür musst Du den Kaufvertrag sowie die Papiere Deines Pferde einsenden. In Deutschland sind meistens die Zuchtverbände für die Erstellung des Equidenpasses zuständig, allerdings wird dies von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt.

Regelung im Falle des Todes

Auch wenn es kein schönes Thema ist, und Du bestimmt gar nicht daran denken möchtest, ist es wichtig zu klären, ob Dein Pferd später als Schlachtpferd zur Verfügung steht oder nicht. Denn basierend darauf werden Deinem Pferd unterschiedliche Medikamente gegeben, zum Beispiel wenn es an einer Kolik leidet. Diese Eintragung musst Du ebenfalls im Equidenpass vornehmen, denn dieser dokumentiert auch alle Medikamente und Impfungen, die Dein Pferd im Laufe seines Lebens erhält.

2. Die ersten Tage

Ich weiß, es ist schwer in den ersten Tagen nicht alles Mögliche mit Deinem Pferd zu machen, zu reiten, ins Gelände zu gehen und und und. Mir ging es da nicht anders: als ich mein erstes eigenes Pferd dann endlich in meinem neuen Stall bei mir hatte, wollte ich am liebsten jede Sekunde mit meinem Pferd verbringen, es putzen, betüddeln und natürlich auch reiten, reiten, reiten.

Ungewohnte Situation

Doch denke daran: das Pferd ist ein Gewohnheitstier und es mag Neuerungen nicht unbedingt gerne. Wenn Dein neues Pferd nicht den Stall wechseln muss, und Ihr gemeinsam im selben Stall bleibt, oder Du es sogar vorher schon viel geritten bist, ändert sich natürlich nicht so viel. Wenn Du aber wie ich, den Stall wechselst, ist das sehr viel Neues und Unbekanntes für Dein Pferd, was gleichzeitig auch Stress für Dein Pferd bedeutet.

Ankommen lassen

Deshalb solltest Du es die ersten Tage ruhig angehen, und Dein Pferd erst einmal ankommen lassen. Reite nicht wie wild drauf los, und bring auch nicht Deine ganzen Reitermädels mit, um ihnen Dein wunderbares, neues Pferd zu zeigen – auch wenn Du wahrscheinlich, genau wie ich, stolz wie Bolle bist. Lass Deinem Pferd Zeit, sie an die neue Situation und den neuen Stall zu gewöhnen. Denn denk dran, es ist wirklich alles fremd für Dein Pferd: die Umgebung, die Gerüche, das Futter, die anderen Pferde. Vielleicht ist es sogar traurig, weil es seine alten Weidekumpel vermisst. Vergiss das nicht!

Mache Dich auf Verletzungen gefasst

Sofern Dein Pferd artgerecht gehalten wird, kommt es im neuen Stall auch in eine neue Herde. Da kann es bei Rangeleien schnell mal zu Verletzungen kommen, die ganz normal sind und auf die Du Dich gefasst machen solltest. Am besten hast Du immer Blauspray, Zinksalbe, Betaisadona und elastische Mullbinden, ein Set Wundauflagen, und Klebeband parat – dazu gleich mehr. Zudem können sich Wunden schneller entzünden, da Dein Pferd durch den Stress des Umzuges anfälliger ist.

3. Mein erstes eigenes Pferd – Erstausstattung

Als ich mein erstes eigenes Pferd bekam, hatte ich wirklich Glück, da mir die Vorbesitzerin alles überlassen hat – und das war wirklich viel und auch in wirklich guter Qualität! Dennoch weiß ich heute, dass es tatsächlich zu viel Pferdezubehör war, und kann Dir sagen, welche Dinge Du wirklich benötigst:

Das Kernstück: ein wirklich passender (!) Sattel

Das Kernstück der Ausstattung ist der Sattel für Dein neues Pferd. Meistens werden Pferde direkt mit Sattel verkauft, allerdings ist hier Vorsicht geboten: oftmals passen Sättel vorne und hinten nicht, und deshalb solltest Du den Sattel des Vorbesitzer auf Herz und Niere prüfen. Investiere hierzu ruhig Geld und nehme einen Sattler Deines Vertrauens zur Rat.

Investiere Geld in einen passenden Sattel!

Manchmal reichen kleine Anpassungen wie eine Aufpolsterung, manchmal muss aber auch ein ganz neuer Sattel her. Kaufe hier nicht den nächstbesten oder gar einen günstigen Massensattel, sondern investiere gutes Geld in einen passenden Sattel – auch wenn es bis zu mehrere Tausend Euro kosten kann! Sei Dir zudem über die Nutzung des Sattels und Deine Reitweise bewusst:

Verschiedene Sattelarten:
– Vielseitigkeit-Sättel
– Dressur-Sättel
– Spring-Sättel
– Western-Sättel
– Wanderreiten-Sättel
– Baumlose Sättel

Wichtig: Du sparst Deinem Pferd und Dir auf Dauer viel Ärger, wenn Du gleich zu Beginn einen absolut passenden Sattel für Dein Pferd besorgst und diesen auch gut pflegst!

Sonstiges Pferdezubehör

Es gibt wirklich unheimlich viel Pferdezubehör, und Du kannst auch alles in mehrfacher Ausführung kaufen. Meiner Meinung nach, ist dabei Qualität wesentlich wichtiger als Quantität. Hier das wichtigste Pferdezubehör, das zur Erstausstattung gehört:

Liste an Pferdezubehör für die Erstausstattung:
– 1x Halfter und Strick
– 1x Trense samt Zügel (gerne auch ohne Sperriemen oder gebisslos
– 2x Satteldecken
– 1x Abschwitzdecke
(- 1x regendichte Outdoor/Winterdecke*)

Liste an Putz- und sonstigem Zubehör:
– 1x Putzkasten*
– 1x Hufkratzer mit Bürstchen*
– 1x Wurzelbürste*
– 1x Mähnenkamm*
– 1x Kardätsche* (für Kopf und Beine)
– 1x harter Zackenstriegel* (für getrocknete Matsche im Fell)
– 1x Schweißmesser*
– 1x Schwamm*
– 1x (altes) Handtuch*

Lesetipp: Wie Du das Fell Deines Pferdes richtig Pflegst, erfährst du hier. Während es hier viele tolle Tipps zur richtigen Hufpflege gibt!

Ausstattung für den Notfallkasten:
– 1x desinfizierendes Blauspray* (brennt sehr, deshalb vorsichtig anwenden)
– 1x Zinksalbe<*/a> und/oder Betaisodona Salbe* (lässt Wunden schnell heilen)
elastische Mullbinden*
Set Wundauflagen*
Klebeband*
– 1x
Schere*

Lesetipp: Wie Du im Notfall richtig reagierst und bei Deinem erste Hilfe leisten kannst, erfährst Du hier!

Auch gut zu haben:
Zwar kannst Du diese Sachen meistens von anderen Reitern im Stall ausleihen, aber sie selbst griffbereit zu haben, ist immer einfacher!
Longe*, Longierpeitsche* und eventuell ein Kappzaum* (zur Bodenarbeit)
Lederseife* und Lederfett*, um Deine Reitsachen sauber zu halten

Viele Pferdebesitzer haben zudem ein Set Reitbandagen sowie Gamaschen für ihr Pferd. Warum diese eher weniger sinnvoll sind und Du auf Bandagen und Gamaschen in den meisten Fällen verzichten kannst, erfährst Du hier!

PS: Natürlich solltest Du auch an bequeme Reitsachen für Dich denken, wie zum Beispiel passende Reitstiefel!

Fazit:

Das erste eigene Pferd ist eine große Sache und meistens spielen die Gefühle in den ersten Tagen nach dem Kauf (und natürlich auch davor) verrückt! Als ich mein erstes eigenes Pferd gekauft habe, bin ich eher planlos an den Kauf rangegangen und habe einfach nur mein Herz tanzen lassen. Heute weiß ich dafür, wie wichtig ein detaillierter Kaufvertrag und schriftliche Abmachungen sind, was zu einer guten Pferde-Haftpflichtversicherung gehört, und dass es gut ist, einen Equidenpass samt Eintragung als Besitzer zu haben.

Damit es Deinem Pferd nach einem Stallumzug gut geht, solltest Du es erst einmal in Ruhe ankommen lassen. Stelle Dich zudem auf mögliche Verletzungen ein, die durch Rangeleien in der neuen Herde entstehen können. Das Kernstück einer guten Erstausstattung ist vor allem ein richtig passender Sattel für Dein Pferd. Auch wenn ein guter Sattel teuer sein kann, solltest Du auf keinen Fall an Geld sparen! Neben anderem Pferdezubehör ist auch ein Notfallkasten zur Wundversorgung von Vorteil.

Lesetipp: Du bist kurz davor, Dir Dein erstes eigenes Pferd zu kaufen? Dann haben die Pferdefreunde hier ein paar super Tipps zum Pferdekauf für Dich!

Stehst Du auch kurz davor, Dir ein eigenes Pferd zu kaufen? Und wie geht es Dir dabei? Oder hast Du bereist ein eigenes Pferd gekauft und kannst Deine Erfahrungen teilen? Schreibe einfach einen Kommentar und teile Deine Gedanken!

Bild: www.depositphotos.com – osons163

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2 Kommentare

  1. Ein ganz toller Artikel mit vielen wichtigen Informationen und Hinweisen. Hier muss man sich auch genau überlegen, ob man sich ein Pferd überhaupt leisten kann, denn die Kosten für die Unterhaltung werden doch oftmals unterschätzt. Allein mit der Anschaffung ist es nicht getan.

  2. Hallöchen 🙂

    Ich möchte auch ein Lob aussprechen, für deinen echt tollen Beitrag. Da kamen Erinnerungen hoch, als ich meine Maus, bei mir zu Hause, in Empfang genommen habe. Das ganze Bürokratische Zeug haben damals meine Eltern für mich erledigt. Allerdings kamen auf mich dann auch diverse Sachen zu. Zubehör kaufen etc. und so weiter und sofort. Da schwelge ich gerade schon wieder schwer in Erinnerungen. Und heute ist sie seit so vielen Jahren an meiner Seite und meine beste Freundin, könnte man sagen :).

    Viele liebe Grüße

    Fräulein_ich von pferdigunterweg.com

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