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Es gibt Pferderassen, die weniger zur Dressur geeignet sind als Andere, und die aufgrund ihres Körperbaus und Charakters oftmals mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Dazu gehört auch das größte Pferd der Welt: das Shire Horse. Wieso auch ein Shire Horse dressurmäßig gymnastiziert und geritten werden kann, und wie Du schwere Pferde am besten in der Dressur ausbildest, verrät Dir Shire Horse Reiterin Daphne de Visser in diesem Interview!

So gymnastizierst Du schwere Pferde wie das Shire Horse!
– Interview mit APASSIONATA Reiterin Daphne de Visser

Das Shire Horse: das größte Pferd der Welt!

Das Shire Horse gehört zu den Kaltblütern und ist die größte Pferderasse der Welt. Es hat einen durchschnittlichen Stockmaß von 1.80 Metern und kann bis 1.200 Kilogram wiegen. Es geht aber noch größer: das größte Shire Horse und somit auch das größte Pferd der Welt war der Wallach Sampson mit einem Stockmaß von 2.19 Metern. Diese Pferderasse wurde vor allem in der Landwirtschaft sowie als Kutschpferd eingesetzt, doch heutzutage sieht man es auch immer öfter unter dem Dressursattel.

Das macht das Shire Horse aus

Mit ihrer Größe, der langen Mähne und Schweif, und ihrem Behang, schinden Shire Horses schnell Eindruck. Gerade Rappen sehen durch die dunkle Fellfarbe besonders elegant aus. Noch dazu sind Shire Horses vor allem für ihr freundliches Wesen bekannt und gelten, wie die meisten Kaltblüter, als nervenstarke Pferde. Das ist aber noch nicht alles: Shire Horses wird nachgesagt, dass sie sehr lernfähig und intelligent sind, was natürlich gute Eigenschaften sind, um neue Lektionen zu lernen.

Natürlich ist auch Daphne ganz begeistert von ihren Shire Horses:

„Was ich an Shires besonders liebe, ist, dass sie sehr intelligent sind. Außerdem sind sie stets ruhig und sehr überlegt. Anders als ein Warmblut sind sie neuen Lektionen gegenüber nicht erstmal abgeneigt sondern wägen ganz genau ab und wollen verstehen, was ich von ihnen verlange. Haben sie eine Lektion erst einmal verstanden und erlernt, wollen sie auch immer alles geben – besonders „Jos“ gibt bei seinen Lieblingslektionen eher 120% und will mich immer wieder von Neuem beeindrucken. Wenn sie etwas gelernt haben, vergessen sie es übrigens so schnell nicht wieder.

Auch ohne konkretes Training könnte ich eine Lektion nach zwei Jahren abfragen und meine Shires würden sie mir fehlerfrei zeigen. Ihre Ruhe bedeutet übrigens keineswegs, dass sie langsame Tiere sind – im Gegenteil, sie sind energiegeladen und kraftvoll. Wer einem Shire mal in die Augen geschaut hat, der weiß: Vor einem steht ein Freund. In den Augen eines Warmbluts hingegen sehe ich zum Beispiel eher seine Energie und die ständige Wachsamkeit.

Zu guter Letzt liebe ich natürlich ihre Ausstrahlung – ganz klar, sonst würde ich mit ihnen keine Shows reiten wollen. Fast egal, was sie zeigen und wie sie sich dabei anstellen, Shires sehen einfach immer toll aus!“

Das Shire Horse als Dressurpferd?

Aufgrund ihrer enormen Größe wird ihnen allerdings häufig nachgesagt, sie wären nicht für die Dressur geeignet. Dabei sehen die Bewegungen dieser “Gentle Giants”, wie sie so oft wegen ihres sanftmütigen Charakters genannt werden, besonders imposant aus. Gerade hohe Lektionen wie fliegende Galoppwechsel oder auch Piaffen erhalten durch die Größe des Shire Horse einen ganz anderen Ausdruck.

Das findet auch Shire Horse Besitzerin Daphne de Visser, die mit ihren beiden Shire Horses Sam und Jos regelmäßig bei der APASSIONATA auftritt und mit ihrer Show das Publikum begeistert. Denn für sie hat die Pferderasse wenig mit der Eignung zur Dressur zu tun:

„Für mich sind Shires absolut zur Dressur geeignet, sonst würde ich sie nicht ausbilden oder gar in Shows präsentieren. Aber mir ist natürlich klar, dass viele Menschen und Reiter da grundsätzlich anderer Meinung sind. Klar, mit Dressur verbindet man in erster Linie Eleganz und Leichtfüßigkeit. Eigenschaften, die man einem Shire Horse jetzt nicht unbedingt zuschreiben würde.

Grundsätzlich ist die Eignung für bestimmte Lektionen aber auch immer eine Frage des individuellen Talents und nicht unbedingt nur der Rasse. Während ich mit Jos immer wieder an der Perfektionierung seiner Piaffe arbeite, hat Sam mit seiner Passage noch jeden Kritiker restlos überzeugen können.“

Dressur als Gymnastizierung

Letztendlich darf auch nicht vergessen werden, dass die Dressur ursprünglich nicht der Show, sondern der Gymnastizierung des Pferdes diente und auch heute noch dienen sollte. Dressurlektionen werden geritten, um das Pferd zu gymnastizieren und geschmeidiger zu machen. Nur so kann ein Pferd auf Dauer gesund geritten werden. Egal, ob Freizeitreiter, Springen oder Western, und egal welche Pferderasse, Dressurübungen gehören zu jedem pferdegerechten Training dazu. Wie sagte Bent Branderup einst so schön:

Die Dressur ist für das Pferd da – nicht das Pferd für die Dressur.”

Auch Daphne ist der Meinung, dass ihre Shire Horses die Dressur brauchen:

„Für mich bedeutet Dressur, Lektionen auf die richtige Weise zu zeigen, das Pferd richtig zu gymnastizieren – auf spielerische Weise natürliche Bewegungen abzuverlangen. Dabei sind dann die Rasse und auch der Körperbau eigentlich nebensächlich.“

So kannst Du schwere Pferde wie Shire Horses dressurmäßig gymnastizieren
– Tipps von Shire Horse Ausbilderin Daphne de Visser

Die besten Übungen zur Gymnastizierung

Wie Daphne es bereits betont, ist es wichtig, dass Du Dein Pferd ohne Zwang an die Dressur und die gymnastzierenden Übungen heranführst. Das gilt natürlich für jedes Pferd, egal welcher Typ und welche Rasse. Dabei kannst Du Dein Pferd auch schon mit Hilfe von kleineren Übungen gymnastizieren und musst dafür nicht gleich mit fliegenden Wechseln anfangen. Alleine richtiges Schritt Reiten kann schon gymnastizierend wirken, ebenso gut ist das Reiten von Seitwärtsgängen oder Übergängen, die helfen, die Hinterhand Deines Pferdes zu aktivieren.

Daphne empfiehlt vor allem Übungen wie Schulterherein, Travers und Renvers:

„Die besten Übungen zum Gymnastizieren von Shires sind für mich ganz klar Schulterherein, Travers und Renvers. Das ist zwar bei diesen kräftigen Tieren ganz besonders schwierig, weil alle drei Übungen ja die Stellung und Biegung des gesamten Körpers erfordern. Aber gerade dafür liebe ich sie einfach. Sie fördern den Muskelaufbau, die Gelenkigkeit, die Beweglichkeit und die Durchlässigkeit, sind super für den Gleichgewichtssinn und damit für mich die Grundlage für ein gesundes Pferd und vor allem das Erlernen von weitern Lektionen.“

Worauf Du bei der Ausbildung von schweren Pferden besonders achten solltest:

Viele Pferde werden heutzutage viel zu früh, und leider auch viel zu schnell ausgebildet. Dabei braucht eine gute Ausbildung besonders Geduld und Vertrauen. Denn ohne die nötige Geduld, wird ein Pferd niemals lernen losgelassen zu laufen, und ohne das nötige Vertrauen wird es niemals lernen sich an das Gebiss heran zu dehnen und in Anlehnung zu gehen.

Daphne sieht das ganz genauso, für sie zählen besonders drei Dinge bei der Ausbildung ihrer Shire Horses:

1. Ruhe: „Shires lernen ohne Druck und nur, wenn sie entspannt sind. Vor allem wollen sie verstehen, was ihr Reiter von ihnen will. Das zu vermitteln gelingt nur mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit. In dem Moment, wo ein Shire nicht versteht, was du von ihm willst, oder es deine Anweisungen und Hilfen für keine gute Idee hält, setzt es schon mal seine gesamte Kraft gegen dich ein – als Reiter bist du damit also völlig machtlos.“

2. Wiederholung: „Shires lernen langsamer als andere Pferde und durch viele Wiederholungen. Sie sind dabei ein bisschen wie Esel – haben sie eine Lektion einmal verstanden, vergessen sie sie auch so schnell nicht wieder. Aber dafür muss sie einmal richtig sitzen. Je besser die Lektion zum jeweiligen Charakter und natürlich dem Talent des Pferdes passt, umso schneller und leichter lernt das Tier natürlich auch.“

3. Keine Gewalt: „Zu viel Druck oder gar die Anwendung von Gewalt sind immer nur kontraproduktiv. Das Shire will und muss verstehen und freiwillig arbeiten. Zwang führt nur dazu, dass es sich zur Wehr setzt und seine Mitarbeit ganz verweigert. Das kann bei einem 1.200kg-Tier schon mal sehr unangenehm werden.“

Shire Horse
Daphne mit ihrem Shire Horse Jos zuhause

Überfordere Dein Pferd nicht und halte Deine Trainingseinheiten kurz!

Es geht aber nicht nur darum, geduldig zu sein, sondern eben auch darum, das Pferd nicht zu überfordern. Viele Reiter übertreiben es gerne mit ihrem Training, sind teilweise 1,5 Stunden auf dem Platz, bis das Pferd die gewünschte Lektion endlich perfekt ausführt. Das ist natürlich absolut falsch und führt beim Pferd schnell zu Frust und Demotivation. Manche Pferderassen und Charaktere kommen damit besser klar, andere Pferde wie das Shire Horse hingegen stumpfen so schnell ab.

Daphne empfiehlt deshalb, die einzelnen Trainingseinheiten kurz zu halten und sich bei neuen Übungen auch nur auf diese zu konzentrieren:

„Meine Trainings halte ich immer kurz – 5-6 Mal pro Woche trainiere ich ca. 20 Minuten, maximal eine halbe Stunde. Dann fordere ich aber meist alle Lektionen ab – was nicht so gut klappt, trainiere ich beim nächsten Mal dann intensiver. Wenn es daran geht, etwas Neues zu erlernen, lasse ich alles andere liegen und übe nur diese eine Lektion. Das geht je nach Charakter und Lektion mal schneller, mal langsamer.“

Siehe Dein Pferd als ein Individuum!

Außerdem ist es wichtig, dass Du Dich voll und ganz auf Dein Pferd einlässt. Die meisten Pferde werden immer noch nach einem bestimmten Schema F ausgebildet, ohne dass dabei auf das Pferd als Individuum eingegangen wird. Wie bei uns Menschen, kann das auf Dauer nicht gut gehen, und wird sowohl beim Reiter, als auch beim Pferd schnell zu Frustration führen. Achte also lieber auf Dein Pferd, es wird Dir schon zeigen, welche Lektionen es gerne lernt, und welche Lektionen es schlichtweg überfordern!

Daphne hat dazu übrigens folgende Erfahrung mit ihren beiden Shire Horses gemacht:

„Ein dominantes Pferd beispielsweise lernt eine eher dominante Lektion wie den spanischen Schritt um einiges schneller als etwa das Hinlegen. Etwas, was ich Jos übrigens niemals abverlangen könnte – das würde seinen starken Charakter unterdrücken und unsere enge Bindung sogar gefährden. Den spanischen Schritt hingegen hat er – ebenso wie Sam – in wenigen Minuten gelernt.“

Dressurübungen auf einem Shire Horse reiten – ein unglaubliches Gefühl!

Wenn Du mit deinem Pferd endlich soweit bist, und sogar hohe Dressurübungen wie die Piaffe oder einen fliegenden Galoppwechsel reitest, wirst Du für Deine Geduld umso mehr belohnt, denn auf einem so schweren und großem Pferd wie ein Shire Horse zu sitzen, während es unter dir zu tanzen und schweben scheint, ist ein unglaubliches Gefühl!

Daphne findet dafür kaum Worte – für sie fühlt sich das Reiten von Dressurübungen auf ihren Shire Horses schlichtweg sensationell an:

„Sensationell!!! Es ist wirklich eines der besten Gefühle, die ich kenne. Wenn es einem gelungen ist, dem Pferd eine neue Dressurübung beizubringen, erfüllt es einen mit unbeschreiblichem Glück. Ganz einfach aus dem Grund, weil man sich sicher sein kann, es auf dem richtigen Wege geschafft zu haben. Das Pferd hat einen verstanden, macht freiwillig mit und mag einen noch immer. 1.200 Kilogramm Muskeln bewegen sich freiwillig unter dir und vor allem für dich. Das ist wirklich unbeschreiblich!“

Shire Horse
Daphne mit ihrem Shire Horse Sam auf der APASSIONATA

Triff Daphne und ihre Shire Horses Sam und Jos auf der APASSIONATA!

Daphne wurde 2008 Teil der APASSIONATA, als das Kreativteam aktiv nach einer Shire-Reiterin gesucht hatte. Zuvor war sie bereits als Zuschauerin bei der APASSIONATA, kam aber nicht auf die Idee, sich selbst als Reiterin zu bewerben. Als dann das Telefon klingelte, und ihr das Angebot gemacht wurde, selbst Teil der Show zu werden, war sie natürlich sofort Feuer und Flamme!

* An dieser Stelle ein großes Dankeschön an APASSIONATA, für die Möglichkeit, dieses Interview zu führen und für die Unterstützung dieses Beitrages.

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4 Kommentare

  1. Hi,

    ich selbst bin seit einem Jahr stolze Besitzerin eines Shire Horse. Bevor ich mir die Große kaufte, hatte ich sie 3,5Jahre lang als Reitbeteiligung. Bis ich sie als Reitbeteiligung übernahm, stand sie ca. 4 Jahr hauptsächlich auf der Koppel. Da sie damals als gefahren und geritten verkauft wurde, aber vor der Kutsche nichts als Panik zeigte. Leider wurde „Mausi“ nie besonders gut unterm Sattel ausgebildet – vermuten wir da sie keinen Schenkle nichts kannte- . Das fing erst mit mir an das sie Dressurmäßig was tun sollte. Da ich auch nicht unbedingt der beste Reiter bin, ist dies natürlich ein sehr schwieriger Prozess. Aber mit Hilfe meiner Reitlehrerin sind wir auf einem recht gutem Weg denke ich 🙂 . Am Anfang war es unmöglich sie länger als 10 Min in der Halle zu reiten – danach parkte sie und bewegte sich keinen Meter mehr. Mittlerweile läuft sie mir mehr oder weniger ordentlich bis zu 40 Min (länger muss sie gar nicht meist kürzer) in der Halle im Schritt und Trab und wir arbeiten gerade am Galopp.
    Leider gehört „Mausi“ eher zum Typ „Ach-was-neues? Nö-Kein Bock“ Pferd (viell ein überbleibsl aus ihrer Ausbildungszeit von der ich leider nichts weiß ). Habt ihr viell noch ein paar Tipps für mich was ich wie mit ihr trainieren könnte?
    Dank diesem tollen Interviews weiß ich nun, dass ich weiterhin viel Geduld und Ruhe (noch mehr vermutlich, da ich gerne mal ungeduldig werde wenn was lange nicht klappt) haben muss und kurze aber viele Wiederholungen mit ihr trainieren muss. Dieses Interview hat mich dem Denken meiner „Mausi“ wesentlich näher gebracht!
    Danke dafür!!!
    Lg Clarissa

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