So oft beschweren sich Reiter und Pferdebesitzer, dass sie wenig Zeit haben. Sie verbringen die meiste Zeit im Stall, haben kaum noch Zeit für Partner, Freunde und Familie, geschweige denn für andere Hobbys und Leidenschaften. Doch stimmt das wirklich? Haben Reiter und Pferdebesitzer wirklich weniger Zeit als andere? Nein! Im Gegenteil: sie haben mehr Zeit!

Haben Reiter und Pferdebesitzer wirklich so wenig Zeit?

Warum Dir Dein Pferd Zeit schenkt und Dich lehrt zu leben!

In diesem Beitrag möchte ich Dir erklären, warum Du durchs Reiten plötzlich mehr Zeit und mehr vom Leben hast als ohne Pferde in Deinem Leben. Denn wie so oft im Leben geht es nicht darum, sich an dem Negativen festzuhalten und nur das Schlechte zu sehen, sondern darum, die positiven Dinge zu sehen und sich eben genau darauf zu fokussieren. Es geht darum, das Leben und die eigene Zeit so intensiv wie möglich zu leben – und Pferde können Dir genau dabei helfen! Sie sind sogar die besten Lehrer, um zu verstehen, was es bedeutet im Hier und Jetzt zu sein, und für den Moment zu leben.

Das Zeitproblem

Es stimmt: Reiten ist ein sehr zeitintensives Hobby, eine Leidenschaft, die viel Zeit erfordert. Gerade als Pferdebesitzer verbringst Du sehr viel Zeit bei Deinem vierbeinigen Freund. Es kann sein, dass Du sogar täglich in den Stall musst, und je nachdem, ob Du Einsteller oder Selbstversorger bist, geht viel Zeit für die Versorgung Deines Pferdes drauf. Teilweise bedeutet das auch, stundenlang auf den Tierarzt warten zu müssen, oder in der Eiseskälte im Winter das Paddock eine Stunde lang abzuäppeln. Und das Reitzubehör sowie die eigenen Lederstiefel wollen ebenfalls gepflegt, gesäubert und eingefettet werden – mindestens einmal im Monat, noch besser einmal die Woche.

Auch das Reiten an sich beansprucht mehr Zeit, als so eine manch andere Sportart. Wenn Du planst eine Stunde auf dem Reitplatz zu trainieren, bleibt es nicht bei dieser einen Stunde: Du musst Dein Pferd vorher fertig machen, wohlmöglich erstmal von einer weitläufigen Koppel holen, es putzen, satteln und trensen. Das kann schnell mal eine Stunde dauern. Auch nach dem Reiten braucht Dein Pferd Pflege, muss im Sommer eventuell mit Wasser abgespritzt, dann auch wieder den ganzen Weg zurück auf die Koppel gebracht werden, oder im Winter noch ein wenig unter die Abschwitzdecke. So werden aus einer Stunde reiten meist ganze drei Stunden.

Und was gibt es Schöneres als einen richtig langen, wunderschönen Ausritt durch die Natur? Wir Reiter verbringen bei schönem Wetter am Wochenende ruhig mal den ganzen Tag am Stall, reiten aus, betüddeln das Pferd, quatschen ewig lang mit dem Stallnachbarn, oder besprechen etwas Wichtiges mit dem Stallbesitzer. Und manchmal beobachten wir auch einfach nur stundenlang unser Pferdchen auf der Koppel und genießen die vielen wunderschönen Momente, die uns unser Pferd schenkt.

Wer kennt diesen viel zitierten Satz nicht?

Früher hatte ich Zeit und Geld, jetzt habe ich ein Pferd.

Doch die meisten vergessen bei diesem Spruch das Wesentliche. Nämlich, dass wir durch das Pferd lernen unsere Zeit einzuteilen, sie uns überhaupt erst zu nehmen und vor allem, sie jederzeit wertzuschätzen.

Zeit einteilen

Was wir Reiter durch unsere so zeitintensive Leidenschaft lernen, ist unsere Zeit gut einzuteilen. Ja – wir Reiter und Pferdebesitzer sind geradezu talentiert im Organisieren und Planen, quasi gezwungenermaßen, denn anders geht es nicht. Wenn Reiten unsere Leidenschaft ist, dann ist Zeitmanagement unser Hobby. Auch unser Tag hat nur 24 Stunden, und wir schaffen es trotzdem, Schule, Studium, Arbeit, Pferd, Zeit mit Freunden und Familie, Partner, Essen und Schlafen in diese 24 Stunden zu packen. Eben weil wir unsere Zeit einteilen können. Du lernst durchs Reiten also, Deine Zeit gut einzuteilen!

Zeit nehmen

Aber nicht nur das: wir Reiter lernen vor allem, uns Zeit zu nehmen. Anstatt zu sagen, wir haben keine Zeit, nehmen wir uns die Zeit einfach. Viele Menschen verbringen viel zu viel Zeit mit Nichts-Tun, damit, alleine vorm Fernseher zu sitzen, stundenlang Zeit im Internet zu verbringen, den Facebook-Feed zum 12ten Mal durchzuscrollen, oder ewig lange halb-wach im Bett zu liegen. Und dann behaupten sie, sie hätten keine Zeit. Keine Zeit, ihrer Leidenschaft nachzugehen.

Die Leidenschaft in Dir

Doch für seine Leidenschaft nimmt man sich Zeit! Und ich spreche bewusst mehr von der Leidenschaft, als von einem Hobby. Denn ein Hobby machst Du nur einfach gerne in Deiner Freizeit, aber für Deine Leidenschaft lebst Du. Für sie nimmst Du Dir Zeit, für sie schaffst Du Dir Zeit, und nirgendwo anders erlebst Du Deine Zeit so intensiv, nirgendwo anders verfliegt sie so schnell, wie wenn Du Deiner Leidenschaft nachgehst. Also behaupte nicht, Du hättest keine Zeit – nimm sie Dir. Denn so verbringst Du endlich weniger Zeit mit Nichts-Tun und anderen unnötigen Dingen.

Zeit wertschätzen

Und wir Reiter lernen noch viel mehr: wir lernen unsere Zeit wertzuschätzen. Wir wissen, dass Zeit kostbar ist, wir wissen, dass wir verlorene Zeit nicht zurück bekommen, wir wissen, wie wichtig Zeit ist. Nicht nur bezogen auf unsere eigene Zeit, sondern auch auf die der Anderen. Wir wissen es zu schätzen, wenn unsere Freunde ihre Pläne nach uns und unserem Pferd richten, weil wir eben nicht am Sonntagmorgen brunchen können, da genau an diesem Sonntag die Weidesaison beginnt. Und sind dankbar, dass ein Sonntagsbrunch ebenso gut am Samstag stattfinden kann. Als Reiter schätzt Du die wenige Zeit mit Freunden und Familie mehr, weil Du weißt, wie kostbar sie ist.

Intensiver leben

Dieses Wertschätzen bedeutet gleichzeitig, dass Du jeden Moment intensiver lebst. Du freust Dich über jede Minute, die Du bei Deinem Pferd verbringst, über jede Minute mit Deiner besten Freundin in Eurem Lieblingscafé, und über das gemeinsame Kochen zuhause mit Deinem Freund. Der Besuch bei Oma und Opa wird kein lästiger Kaffeeklatsch, sondern ein wunderbares Gespräch über Gott, die Welt und das Leben. Eben weil Du lernst, intensiver zu leben und Dich an jeder Sekunde Deines Lebens zu erfreuen.

Im Hier und Jetzt

Du lernst im Hier und Jetzt sein. Und das lernst Du nicht nur dadurch, dass Du Deine Zeit mehr wertschätzt, sondern auch, weil Pferde Dir genau das beibringen: Dein Pferd ist der beste Lehrer, um Dir zu zeigen, intensiv zu leben und im Hier und Jetzt zu sein. Denn wenn Du Dich beim Reiten nicht voll und ganz auf den Moment konzentrierst, klappt gar nichts. Das Gleiche gilt für die Bodenarbeit mit Pferden und den allgemeinen Umgang mit diesen wunderbaren Geschöpfen: Du musst immer voll da sein, Deinem Pferd und das Leben Deine ganze Aufmerksamkeit schenken.

Mehr leben

Dieses im Hier und Jetzt sein, dieses intensivere Leben lässt Dich mehr leben. Ja – Du lebst auf einmal auch mehr! Du bist nicht nur noch, sondern Du lebst, Du erlebst. Du bist wach, aufmerksam, und saugst alles um Dich herum auf, genießt in vollen Zügen. Du bist ständig im Hier und Jetzt – Du lebst mehr!

Mehr Zeit

Und genau hier schließt sich der Kreislauf: dadurch, dass Du mehr lebst, kommt es Dir auch so vor, als ob Du mehr Zeit hättest. Es kommt Dir also nicht wie weniger Zeit, sondern wie mehr Zeit vor. Auf einmal schaffst Du es, an einem Samstag morgens mit Freunden zu brunchen, danach reiten zu gehen, nachmittags bei Deinen Großeltern Kaffee zu trinken, und später noch mit Deinem Freund auf ein Glas Wein auszugehen. Und genau deshalb hast Du als Reiter auf einmal viel mehr Zeit, und nicht weniger. Genau deshalb schenkt Dir Dein Pferd Zeit, und nimmt sie Dir nicht!

Und das gilt nicht nur für Pferde und fürs Reiten, sondern für jede andere Leidenschaft auch! Sei es Tanzen, Surfen, Zeichnen, Backen oder das Klavierspielen!

Fazit:

Auch wenn es stimmt: Reiten ist ein sehr zeitintensives Hobby, aber es ist eben nicht nur ein Hobby, es ist eine Leidenschaft. Für diese Leidenschaft lernst Du, Deine Zeit einzuteilen und sie Dir zu nehmen. Du lernst Deine Zeit und die Zeit anderer wertzuschätzen, so intensiver und vor allem mehr zu leben. Und auf einmal erlebst Du viel mehr und Du hast nicht weniger, sondern viel mehr Zeit!

Lesetipps:
Akki von Fü(h)rpferd Horsemanship schreibt ebenfalls davon, wie Pferde einem zeigen, im Jetzt und Hier zu sein. Und auch Tash Horse Experience veranschaulicht in einem sehr ehrlichen, und schön geschriebenen Text, wie wichtig es ist, beim Umgang mit Pferden immer im Moment zu leben. Während Alessa der Meinung ist, dass wir einfach mal Pferd sein sollen!

Danke an meine wunderbare Freundin Chantal, für die Inspiration zu diesem Beitrag. Ich hoffe, Du gehst Deiner Leidenschaft nun wieder regelmäßig nach und tanzt vor lauter Freude durch die Gegend! ♥

Bild: www.depositphotos.com – Christin_Lola

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