In diesem Interview stelle ich einen zweiten, wunderbaren Pferdemenschen vor: Sophie Pahl von Chevalie.

Sophie kehrte dem Reitsport für mehrere Jahre den Rücken zu, weil sie den Umgang mit Pferden in ihrer Reitschule nicht für angemessen hielt. Heute reitet sie zum Glück wieder und hat sich sogar ein eigenes Jungpferd gekauft, den wirklich süßen Araber-Berber Fuchs Massoud – auch liebevoll Soudi genannt.

Für Sophie ist es vor allem wichtig, dass sich jeder seinen Weg sucht und nicht steif einer Reitlehre folgt. Auf ihrem Blog gibt es immer wieder Denkanstöße, sowie tolle Berichte über ihre Erfahrungen mit Soudi. In einem meiner Lieblingsartikel von ihr erklärt Sophie wie wichtig es ist, sich als Reiter immer erst einmal selbst die Schuld zu geben und nicht dem Pferd.

Du kannst Chevalie zudem auf Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest folgen. Und hier nun Sophies Antworten – viel Spaß beim Lesen!

Kultreiter Interview Reihe Teil 2: Sophie Pahl von Chevalie

Sophie von Chevalie über das Umdenken im Reitsport

1. Was bewegt Dich, Deinen Blog zu betreiben, und was willst Du mit ihm erreichen?

Sophie: Ich möchte meine Leser und auch mich selbst daran erinnern, dass wir beim Umgang mit Pferden Spaß haben wollen und können. In den meisten Ställen geht es viel zu ernst zu, dort herrschen negative Gefühle wie Frustration, Wut, Missgunst und falscher Ehrgeiz. Da sind nicht nur wir Reiter, sondern vor allem die Pferde unglücklich.

Wir müssen wieder lernen die Dinge etwas entspannter zu sehen und unsere gemeinsame Zeit zu genießen. Wir machen das ja aus Freude und Liebe zu den Pferden.

Natürlich sollte man sich auch weiterentwickeln wollen. Aber es kommt darauf an, die richtigen Dinge zu wollen. Für mich ist das ein fittes, gesundes Pferd und eine harmonische Partnerschaft. Wenn wir auf unserem Weg keine Schleifen sammeln, dann ist das ok. Wenn wir in irgendeiner Disziplin Weltmeister werden auch. Hauptsache wir haben Spaß dabei und verlieren die wirklich wichtigen Dinge nicht aus den Augen.

2. Seit wann reitest Du und wie kamst Du aufs Pferd?

Sophie: Ich habe von Pferden geträumt solange ich denken kann, aber als Kind hatte ich eine schlimme Pferdeallergie. Mit 12 schleppte meine Mutter mich zu einem Heilpraktiker und das Wunder geschah: Die Pferdeallergie war weg und ich konnte tatsächlich reiten. Ich war das glücklichste Pferdemädchen der Welt.

Aber irgendwann begann ich, die Dinge zu hinterfragen und stellte fest, dass ich diesen Umgang mit dem Pferd, wie ich ihn in meiner Reitschule erlebte, nicht wollte. Ich wusste aber auch nicht, dass es Alternativen gibt. Deshalb verschwanden Pferde für fast 10 Jahre aus meinem Leben.

Vor etwa drei Jahren gab ich der Sehnsucht nach und fing wieder an zu reiten. Diesmal konnte ich mir die richtigen Lehrer suchen und hatte dann zunächst eine großartige Reitbeteiligung. Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich es ohne Pferde ausgehalten habe.

3. Was war Dein größter Aha-Moment?

Sophie: Mein größter Aha-Moment war wahrscheinlich, als ich irgendwann begriffen habe, dass beim Reiten alles besser wird, wenn man weniger macht. Da ist mir nach all den Jahren wirklich ein Licht aufgegangen – das sind wir aus unserem restlichen Leben ja auch nicht gewohnt.

4. Dein ultimativer Tipp zum Umgang und zur Arbeit mit Pferden:

Sophie: Sei immer im Augenblick, im Hier und Jetzt. Und wenn Du es nicht bist, dann arbeite nicht mit Deinem Pferd. Es gibt ja so Tage, da schaffen wir es einfach nicht abzuschalten. An solchen Tagen übe ich nichts, sondern verbringe einfach nur Zeit im Stall.

5. Wenn Du selbst ein Pferd wärest, wärest Du…

Sophie: Wahrscheinlich ein Berber, wie mein Pferd Massoud. Immer loyal denen gegenüber, die ich gern habe. Etwas reserviert gegenüber Fremden. Ausdauernd, wenn ich etwas wirklich will, aber auch ziemlich faul, wenn ich nicht überzeugt bin, dass sich der Aufwand lohnt.

6. Was wünschst Du Dir für die (Pferde-)Zukunft?

Sophie: Ich wünsche mir, dass die Pferdewelt sich auf die wirklich wichtigen Dinge besinnt und sich daran erinnert, dass Pferde keine Sportgeräte sind.

Ich wünsche mir, dass ein Umdenken stattfindet. Nicht nur im großen Sport, sondern auch in unseren Ställen. Das geht bei unseren Erwartungen los (ein Pferd muss nicht funktionieren!) und endet bei den Haltungsbedingungen unserer Pferde (ein Leben in der Box ist kein Leben für ein Pferd!).

Und ich wünsche mir, dass wir toleranter werden. Oft verschließen wir die Augen vor klugen Ideen, weil sie aus der anderen Schublade kommen. Als FN-Reiter sollte man aber auch offen für Einflüsse aus dem Natural Horsemanship sein und umgekehrt. Die eine Reitlehre, die auf alle Pferde, Reiter und Situationen passt, ist mir zumindest noch nicht untergekommen – und ich glaube auch nicht, dass es sie gibt. Es ist unsere Verantwortung nicht blind einer Lehre zu folgen, sondern den besten, individuellen Weg für uns und unser Pferd zu suchen.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön an Sophie von Chevalie für das tolle Interview und diesen Anstoß zum Umdenken!

Bild: Sophie Pahl

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2 Kommentare

  1. Ein <3 für das Umdenken! Ich sehne mir den Tag herbei, an dem ich nicht nur milde belächelt werde für meine Versuche anders mit dem Pony umzugehen, sondern an dem meine Freunde und auch der Rest der Welt sieht, wie viel besser alles geworden ist, seitdem ich nicht mehr einfach nur zum Stall fahre und reite, sondern seitdem ich mir viel mehr Gedanken mache, clickere, nach dem LK longiere und nicht mehr nach FN, seitdem einfach mein Pferd mit seinen ECHTEN Bedürfnissen im Vordergrund steht (und nicht meine menschlichen, übergestülpten Bedürfnisse). Schön, dass es inzwischen schon viele Blogs gibt, bei denen es Menschen geht wie mir: FN gelernt und jetzt am weiterdenken und umdenken – natürlich ist bei der FN nicht alles falsch 😀 Aber gerade da gibt es viele Einbahnstraßen, die zu viel Frust und Neid führen, was nun wirklich nicht sein muss!

    • Liebe Ann-Christin,

      ein ♥ für Deinen Kommentar! Genau wie Dir geht es zum Glück immer mehr Leuten und auch ich habe genau das, was Du und Sophie durchgemacht haben, miterlebt. Erst als ich in einen kleinen Privatstall ohne Schulpferde gewechselt und dort auf wunderbare Menschen getroffen bin, habe ich verstanden, worum es beim Reiten, bei der Arbeit und dem Umgang mit Pferden wirklich geht. Und das ist so viel mehr und so toll! Und zum Glück, Glück, Glück gibt es immer mehr Menschen, die das auch sehen, und wie Du schreibst, auch immer mehr Blogs, die davon berichten! Wir müssen einfach weitermachen, uns austauschen und daran glauben!

      Danke Dir! Line

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