Pferde richtig loben ist ein wichtiger Bestandteil bei der Arbeit mit Pferden und sorgt für Motivation, Spaß und Vertrauen: von intensiven Streicheleinheiten und kleinen Pausen, über ein Lob mit der Stimme bis hin zu leckeren Futterbelohnungen. Welches Lob am besten passt und vor allem wann es richtig eingesetzt ist, erfährst Du in diesem Beitrag!

Pferde richtig loben: Tipps, Tricks und Wissenswertes

So lobst Du Dein Pferd richtig und sorgst für mehr Motivation und Spaß beim gemeinsamen Training!

Loben ist wichtig und motiviert!

Wer freut sich nicht über ein Lob? Genau wie Du Dich freust, gelobt zu werden, freut sich auch Dein Pferd über ein Lob! Indem Du dein Pferd lobst, lässt Du es wissen, dass es etwas richtig gemacht hat, sorgst für eine entspannte Atmosphäre und vor allem für mehr Motivation. Und genau das macht Loben so wichtig: es motiviert Dein Pferd, macht es glücklich, steigert Euren Trainingserfolg und verbessert so auch Eure Beziehung.

Lob schafft doppelte Aufmerksamkeit

Durch Dein Loben schenkst Du Deinem Pferd Aufmerksamkeit, lässt es wissen, dass Du genauso bei der Sache bist, wie es selbst, und bekommst gleichzeitig auch die Aufmerksamkeit Deines Pferdes zurück. Loben schafft neben neuer Motivation also auch mehr Aufmerksamkeit!

Beim Loben kommt es immer auf die individuellen Bedürfnisse Deines Pferdes an!

Du kannst Dein Pferd auf ganz unterschiedliche Arten loben. Wichtig dabei ist, dass Du in unterschiedlichen Situationen tatsächlich unterschiedlich lobst und auf die jeweiligen Bedürfnisse Deines Pferdes eingehst. Denn jedes Pferd ist ein Individuum und reagiert entsprechend auch anders auf Lob.

Beobachte Dein Pferd

Am besten beobachtest Du Dein Pferd einfach mal und schaust, was es gerne mag. Ist es sehr auf Futter aus, oder spiel es gerne? An welcher Stelle lässt es sich am liebsten kraulen und putzen, und wo lässt es sich von anderen Pferden gerne beknabbern? Oder ist Dein Pferd gar kreativ, öffnet gerne Knoten oder Tore? Je nachdem, was für ein Charakter Dein Pferd ist und welche Bedürfnisse es hat, bevorzugt es auch andere Arten des Lobes. Es ist Deine Aufgabe herauszufinden, was Dein Pferd besonders gerne mag und wie Du es entsprechend am besten belohnen kannst.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse Deines Pferdes

Grundsätzlich gibt es drei unterschiedliche Bedürfnisse, die Du mit Deiner Art zu loben bei Deinem Pferd stillen kannst: das kann das Bedürfnis nach Anerkennung, Nähe und Aufmerksamkeit sein, das Bedürfnis nach Entspannung und Ruhe, oder das Bedürfnis nach Futter. Die passende Belohnung kann also von akustischen Reizen und Berührungen, über Futter und Trainings-Pausen bis hin zu Kombinationen mehrerer Lobarten gleichzeitig reichen.

Die Bedürfnisse im Überblick:
– das Bedürfnis nach Anerkennung, Nähe und Aufmerksamkeit
– das Bedürfnis nach Entspannung und Ruhe
– das Bedürfnis nach Futter

Die Belohnung ist die Befriedigung des eigentlichen Bedürfnisses

Du solltest aus diesem Grund auch niemals nur eine Form der Belohnung nutzen. Denn je nach Situation, wird Dein Pferd ein anderes Bedürfnis haben. Zwar freuen sich die meisten Pferde über ein Leckerli, letztendlich könnte das eigentliche Bedürfnis aber Anerkennung und Nähe sein. Somit stellt das Leckerli in diesem Moment keine wirkliche Belohnung dar und kann so auch nicht den Trainingserfolg steigern.

Pferde richtig loben: Die Lobarten im Überblick

1. Mit der Stimme loben

Es gibt Einige, die behaupten, dass das Stimmlob künstlich ist und nicht natürlich für Pferde. Ich habe bei meiner Arbeit mit Pferden über die Jahre allerdings immer wieder festgestellt, dass Pferde diese Art von Lob sehr wohl erkennen und gleichzeitig sehr gut annehmen. Zwar nutzen Pferde selbst keine Laute zur Kommunikation, aber sie können sehr wohl lernen, dass die Stimme und bestimmte Worte als Lob fungieren.

Dabei ist es allerdings wichtig, immer das gleiche Wort für ein Lob zu benutzen, damit Dein Pferd dieses auch verinnerlichen kann. Auch die Wortart und der Ton Deiner Stimme spielen dabei eine wichtige Rolle. Am besten sollte ein warmer und dunkler Vokal in Deinem Lobwort vorkommen, denn das wirkt beruhigend und freundlich. Ein langgezogenes “guuuuuut” oder “schööööön” wirkt zum Beispiel sehr gut als Lob.

Achtung:
Viele nutzen als Lob auch das Wort “fein”. Allerdings ähnelt es dem Wort “nein” zu sehr und kann auch durch eine unterschiedliche Betonung kaum von Deinem Pferd unterschieden werden, und sogar zur Verwirrung führen!

Stimmlob als Verlaufslob nutzen

Das Tolle am Stimmlob ist, dass Du es wirklich sofort einsetzen kannst und Euer Training so nicht unterbrochen werden muss. Deshalb kannst Du das Stimmlob auch wie ein Verlaufslob einsetzen. Das bedeutet, dass Du Dein Pferd lobst, und gleichzeitig möchtest, dass es genauso weitermacht. Ein Verlaufslob ist daher besonders in der Bewegung hilfreich, wenn Dein Pferd zum Beispiel gerade aktiv mit der Hinterhand im Galopp untertritt, und Du dieses Verhalten loben möchtest, aber gleichzeitig nicht willst, dass es damit aufhört.

Eben weil es einen Unterschied zwischen einem Verlaufs- und einem “richtigen” Lob gibt, ist es gut, hier unterschiedliche Stimmkommandos zu nutzen, damit Dein Pferd im genannten Beispiel nicht aufhört aktiv zu galoppieren, und plötzlich langsamer wird, um eine Pause zu machen, oder gar von Dir verlangt gekrault zu werden oder ein Leckerli zu bekommen.

Lesetipp: Mehr zum Verlaufslob und den richtigen Einsatz kannst Du hier bei Wege zum Pferd lesen!

Mit der Stimme zu loben entspannt auch Dich!

Wenn Du mit ruhiger, tiefer und dunkler Stimme Dein Pferd lobst, wirkt das gleichzeitig auch auf Dich entspannend und beruhigend. Diese Entspannung Deinerseits überträgt sich wiederum erneut auf Dein Pferd und somit verdoppelt sich der positive Effekt. Deine Stimme sorgt also nicht nur für ein Lob, sondern für eine ganzheitlich entspannte Situation!

2. Mit Berührungen loben

Neben Deiner Stimme, kannst Du Dein Pferd auch wunderbar mit Berührungen loben. Das können kleine und kurze Streicheleinheiten sein, bis hin zum intensiven Kraulen an der Lieblingsstelle Deines Pferdes. Viele Pferde empfinden besonders das Streicheln über dem Auge als schön, oder lassen sich gerne am Mähnenkamm kraulen.

Achtung:
Das so verbreitete Klopfen auf den Hals (oder auf die Hinterhand) empfinden die meisten Pferd mehr als Stress anstatt als Belohnung! Das konnte auch eine britische Studie belegen – mehr dazu kannst Du in diesem Beitrag lesen!

3. Mit Pausen loben

Auch eine Pause oder ein kurzer Ruhemoment kann ein tolles Lob für Dein Pferd darstellen. Das kann das Schritt-Gehen am langen Zügel sein, oder wirklich ein kurzes Stehenbleiben am Boden. Pausen wirken beruhigend und holen die nötige Konzentration zurück, denn oftmals wird von Pferden zu viel zu lange gefordert, was schnell zu Unmut und fehlender Motivation führt.

Druck aus der Situation nehmen

Zudem können Pausen den Druck aus der Situation wegnehmen. Gerade Jungpferde fühlen sich zu Beginn des Trainings oftmals unter Druck gesetzt, und damit dieser Druck Dein Pferd nicht belastet, macht es Sinn, eine Pause einzulegen und Dein Pferd so zu belohnen. Oftmals kannst Du dann beobachten, wie Dein Pferd tief durchatmet, anfängt zu lecken oder kauen, oder gar gähnt. All dies sind Zeichen der Entspannung und Zufriedenheit!

Training beenden

Wenn Dein Pferd eine ganz neue Lektion, oder gar eine besonders schwierige Übung gemeistert hat, kannst Du als Lob sogar ganz aufhören und das Training beenden. So bleibt es Deinem Pferd gut in Erinnerung und Du schließt Eure gemeinsame Arbeit mit einem positiven Erlebnis ab. Das motiviert unheimlich fürs nächste Training!

Ich beobachte leider viel zu oft Reiter oder Ausbilder, die eine neue oder schwierige Übung nach gutem Gelingen erneut abfragen (teilweise mehrmals), die Übungen dann nicht mehr klappt, und das Training danach abgebrochen wird. Das führt sowohl beim Reiter als auch beim Pferd zu Frust und hinterlässt einen negativen Abschluss – so sollte kein Training beendet werden!

Achtung:
Es gibt aber auch Pferde, die Pausen wie eine Bestrafung sehen: das Pferd wird aus seiner Sicht alleine gelassen und ihm werden die positiven Dinge (Aufmerksamkeit, Futter, Spielen) entnommen. Deshalb kann es helfen, die Pause mit Berührungen zu kombinieren, Dein Pferd dabei zu kraulen und ebenfalls mit Deiner Stimme zu loben. Einfach aufzuhören und Dein Pferd wieder “wegzustellen” ist hingegen eine Strafe. Versuche auch hier auf Dein Pferd zu achten – es wird Dir zeigen, ob es Pausen als Lob empfindet oder nicht!

Mit Pausen den Trainingserfolg steigern

Du kannst mit Pausen auch wunderbar Euren Trainingserfolg steigern. Wenn Dein Pferd zum Beispiel ungern galoppiert, lässt Du es nur zwei bis drei Sprünge galoppieren und bietest dann direkt eine Pause. Beim nächsten Mal kannst Du etwas mehr verlangen und steigert Euer Tranig so Stück für Stück. Dein Pferd wird lernen, dass es sofort eine Pause bekommt und sich nicht zu sehr anstrengen muss. Aus diesem Grund wird es mehr Kraft anwenden, um schneller die belohnende Pause zu bekommen.

Lesetipp: Die Pferdefreunde geben hier noch mehr Tipps zu Pausen als Motivationsfaktor!

4. Mit Futter loben

Auch hier wird wieder viel diskutiert: die Einen loben gerne und oft mit Futter, während die Anderen diese Art des Lobes absolut ablehnen. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass Pferde in Bildern denken. Du kannst Futter also nutzen, um ein positives Bild im Kopf Deines Pferdes einzuspeichern. Diese Art der Belohnung wird von Deinem Pferd auch am einfachsten und besten verstanden. Zudem führt das Kauen beim Fressen zu noch mehr Entspannung bei Deinem Pferd.

Allerdings fangen viele Pferde an, förmlich nach Futter zu betteln, die Jackentaschen zu durchsuchen oder gar in die Hand zu schnappen, weil sie ein Leckerli in ihr vermuten. Zudem dauert der Griff nach dem Leckerli meistens schon zu lange, und eine schnelle und vor allem wirksame Belohnung ist fast unmöglich. Auch die Belohnung mit Futter vom Sattel aus ist sehr umständlich, und kann das Training teilweise zu sehr unterbrechen.

Kultreiter-Tipp: Ich habe meinem Pferd Leckerlis prinzipiell nicht aus der Hand gefüttert, sondern das Leckerli auf den Boden gelegt. So hat mein Pferd meine Hand oder meine Jackentasche gar nicht erst mit Leckerlis in Verbindung gebracht.

5. Mit dem Clicker loben

Alternativ kannst Du Dein Pferd auch mit Hilfe des Clickers loben. Der Clicker gibt ein kurzes und einzigartiges Signal, und suggeriert Deinem Pferd so, dass es das, was es gerade tut, richtig macht. Danach folgt dann die eigentliche Belohnung. Der Vorteil des Clickerns ist, dass Du sofort und sehr präzise reagieren kannst, und Dein Pferd so tatsächlich weiß, wofür es gerade gelobt wird. Allerdings kann Dein Pferd durch das Clickergeräusch keine Kommandos (z.B. “Bein heben”) an sich lernen, sondern nur fürs richtige Verhalten belohnt werden.

Lesetipp: Mehr übers richtige Clickern samt einem tollen eBook übers Clickern für Anfänger findest Du auf Ann-Christins Blog Polyliebe – Clickern und mehr!

6. Mit der Lieblingsübung loben

Jedes Pferd hat eine, wenn nicht gleich mehrere Übungen, die immer gut gelingen und die es deshalb super gerne macht. Eine solche “Lieblingsübung” bei Deinem Pferd abzufragen, kann ebenfalls ein Lob darstellen. Die Übung an sich kann Deinem Pferd schlichtweg Spaß machen, oder das Gelingen der Übungen eine Art Stolz in Deinem Pferd auslösen. Eine Idee ist es auch, diese Übung zum Schluss des gesamten Trainings abzufragen, und so ebenfalls mit einem positiven Erlebnis abzuschließen.

7. Sonstige Arten zu loben

Natürlich gibt es noch einige weitere Arten, wie Du Dein Pferd loben kannst. Einige Pferde finden es zum Beispiel toll, wenn sie sich wälzen dürfen und so entspannen können. Andere Pferde wiederum empfinden es als eine Belohnung, wenn sie unterm Entlastungslist ein paar Runden galoppieren dürfen, da dies ebenfalls entspannend wirken kann. Auch ein ruhiger Schritt-Ausritt nach getaner Arbeit ist für viele Pferde eine schöne und vor allem abwechslungsreiche Belohnung.

Die Kombination von mehreren Lobarten auf einmal

Neben Deinen einzelnen Belohnungsformen, kannst Du Dein Pferd auch mit der Kombination aus Mehreren loben. Gerade wenn Dein Pferd eine besonders schwierige Lektion gemeistert hat, oder anderweitig besonders toll reagiert hat, ist eine Kombination mehrerer Lobarten eine gute Idee. Du kannst Dir das wie die Krönung, wie das Nonplusultra vorstellen. So weiß Dein Pferd, dass es etwas richtig toll gemeistert hat!

Die individuelle Lobpyramide für Dich und Dein Pferd

Die Lobpyramide

Du solltest Dir die unterschiedlichen Lobarten wie eine Pyramide vorstellen. Von den kleineren Belohnung, die Deinem Pferd Aufmerksamkeit und Anerkennung schenken, über Belohnungen, die Dein Pferd noch mehr erfreuen, bis hin zur ultimativen Belohnung, die Dein Pferd über alles liebt und fast schon Euphorie bei ihm auslöst.

Deine Belohnungsformen sollten sich also nach oben hin steigern, und umso schwieriger die Übung ist, die Dein Pferd gemeistert hat, umso attraktiver sollte auch Deine Belohnung sein. Das muss gar nicht mal ein Wechsel der Belohnungsart in diesem Sinne sein: Du kannst auch nur mit Futterlob eine Steigerung erreichen, indem Du zum Beispiel bei einer leichteren Übung ein gewöhnliches Leckerli fütterst, und bei einer Schwierigeren ein Lieblingsfutter Deines Pferdes, wie zum Beispiel eine Banane.

Ähnlich verhält es sich mit Deinen Berührungen: bei einer leichteren Lektion kann es eine kleine Streicheleinheit sein, und bei einer Aufwendigeren ein intensives Kraulen an der Lieblingsstelle Deines Pferdes. Wie bereits erwähnt, kann die Spitze der Pyramide auch eine Kombination mehrerer Lobformen sein.

Wichtig ist nur, dass Du die unterschiedlichen Grade der Belohnung immer passend und konsequent einsetzt, und bei einer schwierigen Übungen nicht mit einer weniger attraktiven Art lobst und umgekehrt. Ansonsten kannst Du Dein Pferd schnell demotivieren und bietest keine Reize mehr, um Euren Trainingserfolg zu steigern.

Der richtige Zeitpunkt ist beim Loben entscheidend!

Zum richtigen Zeitpunkt loben

Das Wichtigste beim Loben ist der richtige Zeitpunkt. Viele Reiter und Pferdeausbilder versäumen den richtigen Moment und loben ihr Pferd schlichtweg zu spät. Das führt dazu, dass das Pferd gar nicht weiß, wofür es gerade gelobt wird, oder gar verwirrt wird. Das Lob kann so nicht zu mehr Motivation führen und die ganze Idee hinter dem Lob wird zerstört. Aus diesem Grund solltest Du beim Loben immer schnell sein und jedes richtige Verhalten sowie jede gewünschte Reaktion am besten innerhalb von 2-3 Sekunden loben, um das Verhalten deines Pferdes (positiv) zu bestärken!

Lobe jede richtige Reaktion Deines Pferdes innerhalb von 2-3 Sekunden!

Lesetipps: In diesem Beitrag erklärt Tanja von Tash Horse Experience, warum das Loben zum richtigen Zeitpunkt so wichtig ist! Und in diesem Beitrag erfährst Du, was ein sofortiges Lob mit dem Lernverhalten des Pferdes zu tun hat!

Die Häufigkeit des Lobens

Gerade zu Beginn einer Lernphase solltest Du jeden Versuch Deines Pferdes loben. Sobald Dein Pferd verstanden hat, was Du von ihm möchtest, solltest Du nur noch das tatsächlich gewünschte Verhalten loben. Ein Beispiel: Du möchtest, dass Dein Pferd über Deine Schenkelhilfen seitwärts geht. Anfangs lobst Du bereits jedes kleine Gehen in Richtung seitwärts, während Du am Ende nur das richtige Seitwärts-Laufen, in fleißiger und vor allem korrekter Abfolge lobst.

Lieber zu viel loben, als zu wenig!

Bei der Arbeit mit Pferden gilt: Überfordere Dein Pferd nicht mit schweren Lektionen und lobe es schon für die kleinsten Bemühungen in die richtige Richtung! Natürlich muss Du Dein Pferd nicht ständig und für jeden Schritt loben, versuche es aber dennoch so häufig wie möglich zu loben. Ganz wichtig ist dabei, dass Du Dein Lob ehrlich meinst. Dein Pferd wird schnell merken, wenn Dein Lob nicht von Herzen kommt und Du es nur obligatorisch einsetzt!

„Mache lieber wenig richtig, als viel falsch. Akzeptiere Grenzen und arbeite an ihnen. So lange Ohren und Augen nicht bei dir sind, bist du nicht der Ausbilder deines Pferdes. Übe nur kurze leichte Lektionen, damit du das Pferd häufig loben kannst“ ~ Bent Branderup

In der passenden Situation loben

Der richtige Zeitpunkt des Lobens ist natürlich auch mit der passenden Situation verbunden. Viele Pferdebesitzer loben nicht nur zu spät, sondern in einer ganz falschen Situation. Gerade in Angstsituation reden viele Reiter und Pferdebesitzerin einer tiefen und beruhigenden Stimmlage auf ihr Pferd ein. Doch für das Pferd versteht dies wie ein Lob und somit wird das Pferd für ein ungewünschtes Verhalten, für seine Angst gelobt!

Lesetipp: Mehr über die negativen Auswirkungen des Lobens in Angstsituationen und wie Du Angst bei Deinem Pferd auf Dauer vermeiden kannst, erfährst Du in diesem Beitrag!

Empfehlungen, Bücher- und Lesetipps zum Thema Pferde richtig loben

Buchtipp:Gut gemacht!: Mehr Motivation durch richtiges Loben“ von Marlitt Wendt
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DVD-Tipp:Pferde-Clickertraining für Einsteiger: Erziehen und gymnastizieren“ von Viviane Theby, Nina Steigerwald und Ralf Alef
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Lesetipps: Miriam hat auf ihrem Blog ebenfalls einen sehr lesenswerten Beitrag über das richtige Loben geschrieben! Und bei der Pferdeflüsterei kannst Du lesen, warum Wörter, die wie Lob mit „L“ beginnen so wichtig sind!

Fazit

Das richtige Loben ist eine der wichtigsten Bestandteile im Pferdetraining: Lob motiviert, steigert den Trainingserfolg, sorgt für eine entspannte Arbeitsatmosphäre und ein vertrauensvolleres Verhältnis zwischen Dir und Deinem Pferd. Dabei ist es ganz wichtig, dass Du auf die individuellen Bedürfnisse Deines Pferdes eingehst, und diese mit Deiner Art zu loben stillst. Das kann das Bedürfnis nach Anerkennung, Nähe und Aufmerksamkeit sein, das Bedürfnis nach Entspannung und Ruhe, oder das Bedürfnis nach Futter sein.

Zudem solltest Du Dir Deine Arten des Lobes wie eine Pyramide vorstellen und Deinem Pferd beim Meistern von schwierigeren Übungen auch eine attraktivere Belohnung geben, von der Lieblingsbelobung bis zu einer Kombination aus mehreren Belohnung an der Spitze der Pyramide. Wichtig bei jeder Art des Lobes ist, dass Dein Lob so schnell wir möglich nach gewünschtem Verhalten Deines Pferdes kommt, am besten innerhalb von 2-3 Sekunden, ansonsten ist der Lerneffekt nicht mehr gegeben und Dein Pferd weiß nicht, wofür es gelobt wird.

Wie lobst Du Dein Pferd und was ist die Lieblingsbelohnung Deines Pferdes?

Bild: www.depositphotos.com – Alexia

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18 Kommentare

  1. Wow, das ist ein Artikel von lexikalischer Qualität! Ich musste grinsen bei der Passage zum Verlaufslob. Mir ist nämlich genau das passiert, was du schilderst: Weil ich mit meinem Stimmlob nicht konsequent bin, pariert Paledo jetzt immer durch oder dreht sich zu mir rein, wenn ich ihn anspreche 😀 Ich werde künftig also versuchen, still zu sein oder mit zwei Begriffen zu arbeiten. Zu den „fein“-Vertretern gehöre ich auch – das hat sich eher zufällig ergeben, und bisher war es auch nicht problematisch. Was auch daran liegen kann, dass ich das Wort „nein“ nicht benutze. Die Idee mit der Lobpyramide ist mir neu, aber sie ist total schlüssig. Also, bisher habe ich durchaus für bessere Leistung mehr gelobt, aber das richtige Systematisieren, darauf bin ich noch nicht gekommen. 😀 VG! Nadja

    • Danke liebe Nadja! :)

      Richtiges Loben ist wirklich nicht so leicht, wie man vielleicht annehmen mag. Das kann teilweise richtig komplex und kompliziert werden 😉

      Witzig, dass Paledo genau dieses Verhalten abspult! Ich bin gespannt, wie er dann demnächst reagieren wird! Ich würde allerdings eher ein zweites Wort ins Training aufnehmen, anstatt nun ganz zu verstummen.

      Die Lobpyramide klappt übrigens auch bei Kindern bzw. Menschen super: bei guter Leistung gibt es ein Eis, und bei sehr guter Leistung einen Fünfziger – das sorgt für noch mehr Motivation und besserer Trainingserfolge! 😉

      Alles Liebe und viel Erfolg!

      Line / Kultreiter

  2. Sehr schöner Artikel! Ich finde, beim Loben entspannt man sich selbst auch gleich mit und auch das wirkt wiederum wie ein Lob auf unser Pferd. Über eine Lobpyramide habe ich bislang beim Pferd auch noch nicht nachgedacht, bei der Hundeerziehung habe ich das allerdings schon eingeführt (Genau wie Clickern). Warum nicht auch beim Pferd? Vielen Dank auch für die vielen Lesetipps, ich freu mich schon aufs Schmökern!
    Liebe Grüße
    Uta

    • Hallo liebe Uta,

      freut mich, dass Dir der Artikel gefällt! Genau, das Tolle am Loben ist auch, dass es es einen selbst ebenfalls entspannt und somit doppelt lobend wirkt :) Die Lobpyramide klappt auch bei Pferden, und steigert die Trainingserfolge echt gut! Super, dass Du bereits klickerst! Ganz viel Spaß beim weiteren Schmökern!

      Line / Kultreiter

  3. Liebe Line,
    ganz toller Artikel! Mein Lob-Artikel ist ja schon ein bisschen älter und ich finde bei dir auch neue Ansätze, vielen Dank dafür. Das Verlaufslob ist mittlerweile schon fast eher mein Lieblingslob geworden, weil ich es im vollen Galopp aussprechen kann und dann merke wie Faible stolz ist und unter mir noch ein bisschen größer wird.
    Das Loben ist so wichtig, auch für uns Menschen. Deshalb ein dickes LOB an dich, super geschrieben und gut recherchiert!
    Alles Liebe für dich!! Miri <3

    • Hallo liebe Miri,
      danke Dir für Dein wunderbares Lob! ♥
      Ich bin mittlerweile auch ein großer Fan des Verlaufslobes, eben weil es wie Du schreibst das Pferd nochmals so richtig gut animiert und stolz macht. Ich bin mal einen etwas trägeren Hafi geritten, der dadurch super motiviert war und total toll und vor allem mit Spaß mitgearbeitet hat – etwas Besseres gibt es gar nicht! :)
      Alles Liebe zurück!
      Line

  4. Hallo!

    Finde es toll, dass über die verschiedenen Belohnungsformen geschrieben wird!

    Jedoch ist im Artikel ein ganz grober Fehler passiert, ich würde darum bitten das zu korrigieren, um keine Fehlinformationen zu verbreiten.

    Beim CLICKERTRAINING ist nicht das Click Geräusch ansich die Belohnung, sondern der Clicker kündigt genau in dem Moment wo das Pferd etwas richtig macht die Belohnung an. Das Pferd hat gelernt dass eine Belohnung folgt sobald das Geräusch zu hören war, und weiß nochdazu besser was es gerade richtig gemacht da das richtige Verhalten haargenau markiert wurde. Der Clicker ist somit ein sekundärer Verstärker.
    Durch das punktgenaue markieren des richtigen Verhaltens und die damit versprochene Belohnung wird die Motivation des Pferdes enorm gesteigert und es gibt deutlich bessere Erfolge als beim unpräzisen Loben welches nicht durch den Clicker markiert wurde.

    Mfg. Christina Olearczick

    • Hallo liebe Christina,

      vielen Dank für deinen Kommentar und den Hinweis! Ich habe den Absatz zum Clickern nun etwas umgeschrieben, damit es verständlicher ist.

      Alles Liebe,

      Line / Kultreiter

  5. Ein sehr schöner Artikel :)
    Ich finde es toll, dass Du hier die verschiedenen Ansätze erklärst, so dass jeder die Chance hat die richtige Methode für sich und sein Pferd zu finden.

    Ich habe selbst vor ein paar Wochen einen Artikel darüber geschrieben, wie man sein Pferd am besten demotiviert (http://www.mynaturaldressage.de/blog/howto-so-demotivierst-du-dein-pferd-erfolgreich) und bin darüber auch nochmal intensiver über das Thema Loben ins Nachdenken gekommen. Es ist der Wahnsinn, was man alleine durch das richtige Loben mit einem Pferd alles erreichen kann. Für mein Pferd ist „leider“ Pause das größte Lob. Ich möchte sie immer knuddeln und herzen wenn sie etwas richtig macht, was sie aber so gar nicht leiden kann 😉

    • Danke liebe Svenja!
      Es ist wie immer wichtig, individuell eine Lösung für sich und sein Pferd zu finden. Standard-Lösungen funktionieren einfach nicht! 😉
      Ich bin auch total der Knuddler und lobe auch sehr gerne mit der Stimme. Pausen als Lob einzubauen ist auch nicht immer einfach…aber toll, dass Du so auf Dein Pferd eingehst! :)
      Alles Liebe,
      Line / Kultreiter

  6. Der hat mich gerade echt umgehauen, so detailliert und genau liest man selten :-). Das mit den Loben ist immer so eine Sache, aber mit dem Loben reißt man seine eigene Motivation auch immer wieder mit rauf finden ich.

    • Hallo lieber Sven,
      ich habe wirklich versucht, nichts auszulassen, und loben ist nunmal ein wirklich wichtiges Thema! :)
      Und ja, es motiviert einen selbst genauso, sorgt für eine positive Einstellung, und genau das überträgt sich dann wiederum aufs Pferd und sorgt so gleich für noch mehr Motivation. Ein positiver Glücks-Teuefelskreis also :)
      Alles Liebe!
      Line / Kultreiter

  7. Hallo Sven,
    mein Pferd liebt es gelobt zu werden. Gerade auch weil er mir sowieso immer versucht alles recht zu machen und sehr engagiert ist 😉 Schlimm finde ich es, wenn manche Reiter das Loben komplett vergessen, weil sie sich so im Ehrgeiz verbeissen. Oder das Pferd bestrafen obwohl sie den Fehler gemacht haben. Deshalb toller Artikel – der uns Reitern viele Möglichkeiten zu loben aufzeigt.
    Gruss
    Gaby/tierfotografiekurs

  8. Von der Grundstimmung her ein schöner Artikel :) Leider wird oft vergessen, das eine Pause nur dann eine Belohnung ist, wenn das Pferd etwas tut, was es vermeiden möchte :) Von daher fällt die Pause für mich nicht unter eine Belohnung, weil das durch die Pause zu befriedigende Bedürfnis künstlich hervorgerufen wird, indem zuvor z. B. Druck gemacht wurde. 😉
    Beim Clickertraining wird übrigens NICHT der Clicker als Belohnung eingesetzt. Der Clicker ist nur ein Marker, der den richtigen Moment belohnt. Vielleicht kannst du das dahingehend korrigieren, dass du sagst „Mit Click und Futter“, denn die Meinung, man ersetze das Futter durch den Clicker oder füttert nicht mehr jedes Mal nach dem Click, hält sich immer noch hartnäckig.
    Vielleicht ist auch dieser Artikel für euch interessant: http://www.motionclick.de/motionblog/clickertraining/20150217/survivalguide-fuer-clickeranfaenger
    LG Sady

    • Hallo liebe Sylvia,

      danke für Deinen Kommentar! Ich kann Dir allerdings nur halb zustimmen. Eine Pause mag in manchen Fällen wie eine künstliche Belohnung erscheinen, ich kenne aber auch Pferde, die Spaß an der Arbeit haben, und sich dennoch freuen, wenn es zwischenzeitig eine Pause gibt. Von Druck, der weggenommen wird, kann da meiner Meinung nach keine Rede sein. Aber Dein Hinweis ist sehr wichtig und auch richtig – danke! :)

      Dass der Clicker selbst nicht die Belohnung ist, steht so auch im Text: „Der Clicker gibt ein kurzes und einzigartiges Signal, und suggeriert Deinem Pferd so, dass es das, was es gerade tut, richtig macht. Danach folgt dann die eigentliche Belohnung.“ 😉 Du hast es ja nun sehr gut beschrieben und der Link ist auch super! Vielen Dank dafür! :)

      Alles Liebe,

      Line / Kultreiter

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