Du hast bestimmt schonmal eines dieser Bilder gesehen, bei dem ein Reiter sein Pferd nur über einen sogenannten Halsring reitet. Vielleicht siehst Du sogar ab und zu Reiter in Deinem eigenen Stall, die ihr Pferd mit Halsring reiten, und fragst Dich nun, was es damit auf sich hat? In diesem Beitrag stelle ich Dir die wichtigsten Fakten zum Thema mit Halsring reiten vor und möchte Dich ebenfalls animieren, es auszuprobieren und hin und wieder als ein alternatives Training anzuwenden!

Alternatives Training: mit Halsring reiten

Fakten zum Thema mit Halsring reiten

1) Was ist ein Halsring

Ein Halsring ist zu allererst eine Alternative zur klassischen Trense mit Gebiss oder zur gebisslosen Zäumung, und gibt Dir als Reiter ebenfalls die Möglichkeit mit Deinem Pferd zu kommunizieren.

Der Halsring besteht meistens aus einem Steifen, kunststoffüberzogenen Lassoseil oder aus Leder. Dabei wird der Halsring lose um den Pferdehals gelegt und meistens einhändig vom Reiter gehalten. Es gibt Reiter, die sowohl in der Reitbahn als auch in Gelände mit Halsring reiten.

Wo Du Halsringe herbekommst

Mittlerweile gibt es Halsringe in verschiedenen Farben, wobei die Größe des Rings verstellbar ist. Beliebt ist vor allem der Halsring von Linda Tellington-Jones, den Du bereits für 10,95 € z.B. bei Loesdau online bestellen kannst.

Bei Barefoot bekommst Du einen Halsring für rund 20,- €, der ein wenig weicher ist. Und bei Procavallo sind die Reitringe nicht nur nachhaltig hergestellt, sonder es gibt sie auch noch in vielen verschiedenen Farben für 15,- € und gegen Aufpreis sogar mit Swarovski-Steinchen!

Bücher zum Thema ‚Mit Halsring reiten‘

Es gibt auch ein paar wenige Bücher die sich dem Thema widmen wie “Reiten so frei wie möglich” von Andrea und Markus Eschbach oder “Reiten ohne Sattel und Zaumzeug” von Karin Tillisch. Und in diesen kannst Du mehr über das Reiten mit Halsring erfahren.

2) Vorraussetzungen für das Reiten mit Halsring

Auch wenn es für manche Außenstehende wie ein Wunder wirkt, sollte es für die meisten Reiter möglich sein, Ihr Pferd mit einem Halsring zu reiten. Dafür solltest Du allerdings kein Reitanfänger sein, und schon über einen korrekten Sitz verfügen sowie feine Hilfen geben können.

Das Wichtigste ist, dass Du Dein Pferd ohne Probleme über Dein Gewicht und Deine Schenkelhilfen reiten kannst. Und natürlich solltest Du bereits ein sehr gutes Vertrauen zu Deinem Pferd haben!

3) Mit Halsring reiten: die Hilfen

Im Wesentlichen bleiben die Hilfen beim Reiten mit Halsring die Selben wie sonst auch. Du bist beim Reiten mit Halsring allerdings mehr auf Deine Gewichts- und Schenkel angewiesen!

Mit Hilfe des Halsrings übst Du entweder Druck am vorderen Halsabschnitt, idealerweise der Brust Deines Pferdes, oder an den Seiten des Pferdehalses aus. Somit kannst Du Deinem Pferd zwei unterschiedliche Signale geben:

2 unterschiedliche Signale:

1. Anhalten: hierfür sitzt Du wie gewohnt tief ein, nimmst Deinen Oberkörper leicht zurück und legst dabei den Halsring an der Brust Deines Pferdes an.

2: Lenken: Du lenkst Dein Pferd natürlich wie gewohnt über Dein Gewicht und die Schenkel. Wenn Du nach rechts möchtest, legst Du den Halsring zudem links am Hals Deines Pferdes an. Dieser wirkt so wie der führende äußere Zügel. Um nach links zu reiten, legst Du den Halsring entsprechend rechts an.

4) Wie Dich das Reiten mit Halsring zu einem besseren Reiter macht!

Wie bereits geschrieben, solltest Du bereits ein sehr guter Reiter sein, bevor Du das Reiten mit Halsring ausprobierst. Dennoch wirst Du vom Reiten mit Halsring einiges lernen und Dich wesentlich verbessern!

Bessere Gewichts- und Schenkelhilfen

Du lernst Dein Gewicht und Deine Schenkelhilfen noch besser und präziser einzusetzen und somit zügelunabhängig zu reiten. Zwar sind die Zügel bei einer Reitzäumung ebenfalls nicht dafür gedacht, das Pferd zu lenken oder anzuhalten, sondern dafür, die Gewichts- und Schenkelhilfen entsprechend zu unterstützen.

Dennoch denken – und leider auch lernen – viele Reiter zunächst, dass Zügel eben genau diesen Zweck erfüllen. Und so kannst Du nun das richtige Reiten lernen!

Ein paar Reiter sind auch schlichtweg zu faul, ihr Gewicht und die Schenkel korrekt zum Halten und Lenken einzusetzen und verlassen sich auf die Zügel. Wenn Du allerdings mit einem Halsring reitest, gibt es keine Zügel mehr, auf die Du Dich stützen kannst!

Du wirst somit gezwungen richtig zu reiten, Dich wirklich anzustrengen und korrekt im Gleichgewicht zu sitzen! Denn Reiten ist Sport und korrektes Reiten ist nunmal anstrengend – ohja!

Du lernst mehr auf Deinen eigenen Körper zu achten

Dadurch, dass Du Dich vielmehr auf Dein Gewicht, den korrekten Sitz und Deine Schenkelhilfen konzentrieren muss, wirst Du lernen, viel mehr auf Deinen eigenen Körper zu achten.

Du wirst aufmerksamer und lernst die Körpersprache Deines Pferdes und seine Bewegungen sowie Reaktionen besser zu verstehen. Durch das Reiten mit Halsring erfährst Du also auch mehr über die komplexen Wechselwirkungen und Zusammenhänge beim Reiten!

Eure Kommunikation wird besser

Und dadurch wird die Kommunikationen zwischen Dir und Deinem Pferd noch besser und gleicht immer mehr einem Dialog. Denn auch Dein Pferd wird merken, dass Du mehr auf es achtest und Dir ebenfalls mit einer größeren Aufmerksamkeit entgegnen!

Somit wird Eure Kommunikation immer feiner und abgestimmter. Und durch das Reiten mit Halsring wirst Du entsprechend feinfühliger und lernst noch feinere Hilfen zu geben!

Dein Vertrauen wird größer

Da das Reiten mit Halsring meistens sehr schnell zu positiven Erfahrungen und Erfolgserlebnissen führt, wird sich das Vertrauen in Deine eigenen Reitfähigkeiten erhöhen.

Auch wenn das Vertrauen in Dein Pferd schon sehr gut sein sollte, wird es durch das Reiten mit Halsring noch größer und intensiver! Letztendlich lernen Du und Dein Pferd Euch gegenseitig noch mehr zu vertrauen und dadurch werdet Ihr zu einem noch besserem Team!

5) Tipps zum Training mit Halsring

Auch wenn das Reiten mit Halsring im Prinzip nicht viel anders als das übliche Reiten ist und ebenfalls über Gewicht- und Schenkelhilfen funktioniert, solltest Du ein paar Dinge beachten.

Der erste Versuch

Bei Deinem ersten Versuch mit Halsring solltest Du nicht voller Tatendrang übermutig werden, sondern Dich ganz gezielt und langsam vorbereiten. Am besten lässt Du die gewöhnliche Zäumung mit Zügeln beim ersten Versuch zusätzlich zum Halsring drauf.

Somit können sich Du und Dein Pferd langsam an die Umstellung gewöhnen. Zudem wird es Dir ein Gefühl der Sicherheit, und Dir unterbewusst mehr Vertrauen geben. Dadurch bewegst Du Dich mutiger und gleichzeitig auch bestimmter auf Deinem Pferd.

Anfangs nur leichte Übungen

Zunächst solltest Du nur die einfachsten Übungen wie Wendungen im Schritt sowie das korrekte Halten aus dem Schritt üben. Erst wenn Du Dich hier sicher fühlst und Dein Pferd fein und korrekt reagiert, kannst Du in höhere Gangarten wechseln.

Egal wie gut es bereits beim ersten Versuch klappt, würde ich Dir raten, es nicht gleich zu überstürzen und zu viel von Dir und Deinem Pferd abzuverlangen!

Tipp: Wenn auch die Übergänge und Wendungen in den höheren Gängen gut klappen, ist es Zeit aufzuhören. So gehen Du und Dein Pferd mit einem positiven Erfolgserlebnis aus dem ersten Versuch heraus und Ihr könnt Euch auf das nächste Mal freuen!

Das zweite Mal

Je nach Deinem eigenen Gefühl und dem Gemüt Deines Pferdes kannst Du bereits beim zweiten Versuch ganz auf eine Zäumung und Zügel verzichten. Denn Du solltest Dich jetzt sicher genug fühlen und genug Vertrauen in Dich und Dein Pferd haben!

Bei jedem Training kannst Du den Schwierigkeitsgrad der Übungen erhöhen und Dich mehr und mehr trauen, bis Du bald alle gewohnten Übungen nur mit Halsring reiten kannst.

Vorteil für Westernreiter

Wenn Du mit Deinem Pferd Western reitest, wird die Kommunikation über den Halsring für Dich und Dein Pferd nicht ungewöhnlich sein. Meistens kommen Westernreiter und -Pferde auch ein wenig schneller mit dem Gebrauch des Halsringes klar, da die Umstellung nur sehr gering ist.

Dennoch sollten natürlich auch Dressur- und Freizeitreiter keine Schwierigkeiten haben, denn das Grundprinzip des Reitens ist immer das Selbe: Du reitest und lenkst Dein Pferd über Dein Gewicht!

Mit Halsring ins Gelände

Es wird viel diskutiert, ob das Reiten mit Halsring auch im Gelände sicher ist und viele Reiter sowie Ausbilder raten davon ab. Auch wenn die Profis ihre Pferde nur mit Halsring und teilweise auch ohne Sattel oder gar ohne alles im Gelände reiten, würde ich Dir aus Sicherheitsgründen zunächst davon abraten.

Nur wenn Du und Dein Pferd eine Einheit bilden und Du es absolut sicher über Deine Hilfen reiten kannst, ist natürlich auch das Reiten im Gelände nur mit Halsring möglich!

Kläre die Versicherung ab

Du solltest in jedem Fall klären, in wie weit Deine Versicherung die Kosten im Falles eines Schadens beim Reiten mit Halsring übernimmt. Und das sowohl in der Reitbahn als auch im Gelände! Zum Glück übernehmen viele Versicherungen aber mittlerweile auch die Kosten, wenn Du ohne Zäumung oder Sattel reitest.

Fazit:

Mit Halsring reiten ist eine gute Ergänzung zum eigentlichen Training mit Zäumung und macht den meisten Reitern und Pferden richtig Spaß! Als Reiter wirst Du lernen Deine Gewicht- und Schenkelhilfen präziser zu geben, feinfühliger mit Deinem Pferd zu kommunizieren und besser im Gleichgewicht zu sitzen.

Du wirst lernen genauer auf Dein Pferd zu achten und die Zusammenhänge der einzelnen Reithilfen besser zu verstehen. Du und Dein Pferd werdet lernen Euch noch mehr zu vertrauen und werdet zu einem noch besseren Team!

Dennoch solltest Du bedacht an das Training mit Halsring rangehen und anfangs nichts überstürzen. Jedes korrekte Training erfordert nunmal Geduld, aber mit der Zeit wirst Du mit Deinem Pferd alle gewohnten Übungen auch nur mit Halsring reiten können – und das ist ein tolles Gefühl!

Was sind Deine Erfahrungen zum Thema mit Halsring Reiten? Hast Du es schonmal ausprobiert, oder machst Du es sogar öfters? Kannst Du vielleicht ein paar Tipps geben?

Bild: www.istockphotos.com – dwphotos

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Dann melde dich jetzt für den Kultreiter Newsletter an und erhalte die neuesten Beiträge, besten Tipps und persönliche Infos per E-Mail! ♥

7 Kommentare

  1. Hey! Toller Beitrag! Ich habe das vor Kurzem ausprobiert mit meiner westerngeritten Reitbeteiligung, aber er hat eine Show abgezogen und ist keinen Schritt gelaufen. Normalerweise lässt er sich toll über Gewicht- und Schenkelhilfen lenken, aber sobald er merkt, dass er keine Gebiss mehr im Maul hat, nutzt er diese Freiheit gnadenlos aus. Hast du irgendwelche Tipps?
    Ich versuche das nächste Mal, die Trense draufzulassen und den Halsring auch. Mal schauen, wie das klappt. Letztes Mal war es komplett meine Schuld. Ich habe das alles etwas überstützt und von ihm erwartet das er das auf Anhieb kann. Dein Artikel hat mir auf jeden Fall ziemlich geholfen, danke!
    Liebe Grüße 🙂

    • Liebe Bianca,

      es ist meistens unsere eigene Schuld 😉 Wie sagte Pat Parelli so schön: „Wenn Dein Pferd nein sagt, hast Du entweder die Frage falsch gestellt oder die falsche Frage gestellt.“

      Ich würde es auch mit beidem, also Trense und Halsring probieren, und die Zügel dann langsam immer mehr weglassen. Ich denke, dass Dein Pferd auch bald den Spaß erkennen wird, nur mit Halsring geritten zu werden. Manchmal dauert es einfach ein wenig – gib nicht auf! 🙂

      Alles Liebe,

      Line / Kultreiter

  2. Hi!
    Ich versuche gerade auch mit meinem Pferd komplett ohne Zügel und nur mit Halsring zu reiten. Auf dem Platz klappt es auch ganz gut.
    Im Gelände habe ich mich noch nicht getraut ohne Trense und nur mit Halsring zu reiten, daher habe ich Halsring und Trense dran gemacht und eben alles über Stimme und Schenkel und Gewichtshilfen gemacht. Im Schritt war es gar kein Problem, habe dann auch immer gelobt. Aber im Trab und Galopp war Durchparieren ohne Zügel nicht möglich. Mir kam es dann eher immer vor, als würde er gar nicht verstehen was ich von ihm will, wenn ich ihm Hilfen gegeben habe. Woran kann es liegen? Würdest du mir empfehlen, dass ich, wenn er nicht durchpariert wenn ich es will,
    dann gleich doch wieder Zügel hernehme, wenn es zu lange dauert bis er mich versteht
    oder würdest du weiter probieren.
    Oder würdest du normal zusammen mit leichter Zügelhilfe durchparieren + Stimme und irgendwann die Zügelhilfe immer schwächer werden lassen, bis ihm nur das Stimmkommando als Info genügt.
    Vielleicht hast du einen Tipp für mich. Ich möchte ihn nicht unnötig verwirren 🙂

    • Hallo liebe Krissie,

      am besten übst Du erstmal mit Zügel und auf dem Platz oder in der Halle, dass Dein Pferd auch im Trab und Galopp fein auf Deine Gewichtshilfen reagiert. Denn egal, ob Du nun mit oder ohne Zügel reitest, Dein Pferd sollte auf Deine Gewichtshilfen reagieren und Du solltest die Zügel nur für eine feine Kommunikation im Sinne der Anlehnung nutzen, nicht aber um Dein Pferd zu lenken oder anzuhalten.

      Was für Hilfen gibst Du denn beim Durchparieren? Viele Reiter setzten sich schlichtweg nicht genug hin – vielleicht ist das auch Dein Problem? Ein guter Trick beim Durchparieren, oder auch beim Reiten von Übergängen, ist, sich die neue, kommende Gangart bereits gedanklich vorzustellen und mithilfe des eigenen Sitzes nachzuahmen. So kannst Du Dein Pferd mit Gewicht und fein durchparieren.

      Sobald das immer besser klappt, kannst Du die Zügel nach und nach aus der Hand kauen und länger werden lassen, bis Du auf den Halsring umsteigen kannst 🙂

      Viel Erfolg und alles Liebe!

      Line / Kultreiter

  3. Hi,
    Ich möchte meinen Tinker gerne mit Halring
    reiten , aber da mein Pferd englisch ausgebildet ist würde ich gerne wissen ob man irgendetwas besonders beachten muss und ob du vielleicht noch ein paar Tipps für uns hast.

    LG

    • Hallo liebe Jeaninna,

      letztendlich wird jedes Pferd egal bei welcher Reitweise übers Gewicht geritten. Versuche Deinen Tinker also schon mit Trense nur über Gewicht zu reiten und Deine Hilfen immer mehr zu verfeiern, sodass Du irgendwann nur noch „rechts“ denken musst und Dein Pferd geht schon nacht rechts – und dann kannst Du anfangen mit dem Halsring zu üben 🙂

      Viel Erfolg und alles Liebe!

      Line / Kultreiter

  4. Super geschrieben! Wir reiten jetzt seit ca. 2 jahren mit halsring/ frei und es hat uns echt weiter geholfen. Mein Pferd ist entspannter und unsere Kommunikation besser geworden! Auch Ausritte lassen sich so super gestalten. Lg

Hinterlasse eine Antwort