Mehr und mehr Reitplätze sind heutzutage gelb und blau geschmückt, der Grund dafür liegt in einer immer beliebter werdenden Trainingsmethode: der Dualaktivierung. Was es genau mit den gelben und blauen Schaumstoffstangen und Pylonen auf sich hat und wie dir die Dualaktivierung helfen kann, dein Pferd zu gymnastizieren und dein eigenes Reiten zu verbessern, erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Dazu habe ich mich mit Trainerin Kirsten Fleiser unterhalten, die sich nicht nur sehr gut mit der Dualaktivierung auskennt, sondern auch ein paar wertvolle Tipps für dich parat hat!

So hilft dir die Dualaktivierung bei der Gymnastizierung und Gesunderhaltung deines Pferdes!

Die Idee hinter der Dualaktivierung

Auch wenn die Methode erst in letzter Zeit verstärkt unter Reitern und Pferdebesitzern bekannt wird, ist sie gar nicht so neu: Bereits 2003 kam Gründer Michael Geitner auf die Idee, seine Pferde mithilfe von Fahnen zu trainieren, um so die Umstellung des Genicks sowie die beidseitige Reizverarbeitung zu fördern.

Ursprünglich entwickelte sich die Dual-Aktivierung® aus seinem Konzept BeStrict, dem Training für Konsequenz im Umgang mit dem Pferd. Das Neue an dieser Methode ist die Verschaltung der Gehirnhälften – ähnlich der Traumatherapieform EMDR – bei der über die körperlichen Rückmeldungen auf das Zentrale Nervensystem des Pferdes Einfluss genommen werden kann.

Michael trainierte so zunächst seine Galopprennpferde sowohl in Form von Longen- und Bodenarbeit als auch unterm Sattel. Heutzutage trainiert er nicht nur seine eigenen Pferde, sondern auch die anderer Reiter und arbeitet zudem als Ausbilder im Bereich der Dualaktivierung.

Die Farben Gelb und Blau

Doch warum sind die genutzten Schaumstoffstangen und Pylonen ausgerechnet in den Farben Gelb und Blau? Das hat einen einfachen Grund, erklärt Kirsten:

“Pferde sind sogenannte Dichromaten und haben nur zwei Arten von Zellen auf der Netzhaut, welche genau die Wellenlänge dieser beiden Farben erkennen können – sie nehmen die Welt somit optisch ähnlich wahr wie rot-grün-blinde Menschen. Auch die Uni Nürtingen konnte aktuell nachweisen, dass sich durch diese beiden Farben die Gehirntätigkeit bei Pferden signifikant erhöht. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass besonders die Farbe Blau sehr aktivierend wirkt. Schließlich kommt sie in der Natur so gut wie nicht vor – daher auch die blauen Reflektoren in Wildwechselzonen.”

Die dualen Aspekte der Trainingsform

Neben den beiden unterschiedlichen Farben, bietet die Dualaktivierung noch weitere duale Aspekte: Zum einen der ständige Rechts-Linkswechsel auf geraden und gebogenen Linien und zum anderen die beiden ausschließlich verwendeten Gangarten Schritt und Trab. Mithilfe der Dualaktivierung kannst du dein Pferd deshalb sehr gut dressurmäßig gymnastizieren, da es vermehrt Last auf die Hinterhand aufnehmen und seine Vorhand bewegen muss.

Außerdem werden die Übungen in klaren Intervallen mit kurzen Arbeitsphasen und genügend Pausen zur Erholung geritten. In der Regel reitest du auch nicht mehr als drei bis vier verschiedene Übungen pro Reiteinheit. So schaffst du für dein Pferd einen verlässlichen Rahmen und sorgst für mehr Leistungsbereitschaft im Training.

Dualaktivierung

Das Tolle ist zudem, dass nicht nur dein Pferd, sondern auch du dich vermehrt konzentrieren musst und deine Hilfen so von Mal zu Mal verbesserst. Denn bei der Dualaktivierung ist das Zusammenspiel zwischen dir und deinem Pferd von Entscheidung. Präzises Reiten wird also gleichzeitig gefordert und gefördert.

Das bewirkt die Dualaktivierung

Da die Dualaktivierung das Prinzip des Zirkeltrainings nutzt, kannst du dein Pferd vielseitig trainieren und sorgst für eine langfristige Gesunderhaltung. Dabei werden die Lastaufnahme der Hinterhand, die Balance deines Pferdes, die Geraderichtung sowie sein Körperbewusstsein verbessert. Außerdem wird die Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften gefördert und dein Pferd findet mehr und mehr zur Gelassenheit.

Ein großer Vorteil ist auch, dass wirklich alle Muskeltypen deines Pferdes angesprochen werden. Dazu zählen sowohl die Oberflächen- als auch die Tiefenmuskulatur, die gelenkstabilisierende Muskulatur und natürlich der große Denkmuskel – das Gehirn deines Pferdes. Aber dabei hört es noch nicht auf: Auch die atmungsunterstützende Muskulatur wird mithilfe der Dualaktivierung trainiert, was gerade interessant ist, wenn dein Pferd an Husten oder gar chronischer Bronchitis (COB) leidet.

Außerdem werden bei der Dualaktivierung beide Seiten deines Pferdes, also sowohl seine gute als auch seine schlechte gleich trainiert. So schaffst du es, mögliche Dysbalancen auszugleichen.

Die besten Übungen für Anfänger

Wie bei jeder neuen Trainingsmethode solltest du dich auch an die Dualaktivierung langsam herantasten. Am besten übst du mit deinem Pferd zunächst am Boden und holst dir einen erfahrenen Trainer dazu. Prinzipiell lassen sich alle Übungen sowohl an der Hand und der Longe sowie mit der Doppellonge oder unterm Sattel erarbeiten. Allein die permanenten Richtungswechsel lassen sich an der Longe schwierig gestalten.

1. Die besten Übungen am Boden

Gerade für Übungen am Boden ist ein Kappzaum sowie eine leichte Longe zum Beispiel aus Biothane von Vorteil, denn so sorgst du für eine feinere Kommunikation zwischen dir und deinem Pferd. Wenn du nur wenig Material zur Verfügung hast, kannst du zunächst eine Ecke aufbauen, die gleichzeitig die Trainingseffekte einer Viertelvolte bietet. Diese hilft dir dabei, die äußere Anlehnung deines Pferdes zu verbessern.

Wenn du dein Pferd an der Longe trainieren möchtest, eignet sich am besten eine Quadratvolte. Hier kannst du neben den Gassen auch verschiedene Stationen verwenden, darunter ein Dreieck, Pylonenwald oder Fächer. Ein zusätzliches X aus Gassen in der Gasse hilft dir außerdem dabei, die Bauchmuskulatur deines Pferdes vermehrt zu trainieren.

Folgende Tipps hat Kirsten: “Um deinem Pferd zu Beginn die Aufgabe des Einfädelns zu erleichtern, kannst du die Gassen einfach trichterförmig auslegen. Eine schöne Abwechslung bietet zudem folgende Übung: zwischen den Ecken auf der kurzen Hallenseite lassen sich sehr gut permanente Handwechsel in Form von Achten longieren. Dabei geht der Laufweg immer von der kurzen zur langen Seite um Pylone in den Ecken herum.”

Selbst vom Boden aus stellen sich so die Effekte wie vermehrte Lastaufnahme und Aktivierung der Hinterhand, Geraderichtung und geraderichtende Biegearbeit sowie die Erreichung des Vorwärts-Abwärts und das Gehirnjogging ein, auch wenn sich diese Ziele der Dualaktivierung vom Sattel aus leichter erarbeiten lassen.

Dualaktivierung

2. Die besten Übungen unterm Sattel

Die Dualaktivierung lässt sich in jeder Reitweise nutzen und das Tolle ist, dass du diese Trainingsmethode selbst als Reitanfänger anwenden kannst. Besonders gut eignen sich zu Beginn Übungen, bei denen “die Größe der Laufwege nicht durch den Aufbau vorgeben ist und somit an den Trainingszustand angepasst werden kann”, erklärt Kirsten.

Dazu zählen Übungen wie:
– „die halbe Volte gerade“
– Achten über das „Dreieck“
– „Slalom“-Kurs
– „Achterschlaufen in den Ecken der kurzen Seite“

Tipp: Ein gutes Video zur ersten Übung findest du hier und zum Reiten der Achterschlaufen hier!

Darauf solltest du beim Training achten

Wie auch beim gewöhnlichen Training am Boden oder unterm Sattel solltest du dein Pferd nicht überfordern. Achte also stets auf Ermüdungsanzeichen wie zum Beispiel mangelnde Konzentration oder aber auch Übereifer, falsches Untertreten oder gar häufiges Stolpern. Dein Pferd sollte stets einen zufriedenen Eindruck machen, im Takt und nicht zu eilig oder zu langsam laufen.

Damit das Reiten über und durch die Gassen noch besser klappt, hat Kirsten folgenden Reittipp: “Beim Über- und Durchreiten der Gassen sollten die Zügel nachgegeben werden, damit der Kopf und Hals vom Pferd zum Ausbalancieren genutzt werden kann und die Augen den Boden sehen können. Das stellt für viele Reiter eine Herausforderung dar, weil sie dem Pferd vertrauen müssen, dass es seinen Job gut macht und auf seine Füße aufpasst ohne durchzustarten.”

Außerdem rät Kirsten beim Traben lieber leicht zu traben statt auszusitzen und beim Reiten über und durch die Gassen in den den leichten Sitz zu gehen. Denn so kannst du den Rücken deines Pferdes entlasten. Wichtig ist auch, dass du neben genügend Pausen auch genügend Abwechslung ins Training bringst und unterschiedliche Übungen reitest. So sorgst du nicht nur für mehr Motivation, sondern auch für mehr Erfolg und Spaß im Training!

Dank Dualaktivierung zu einem besseren Reiter und Pferdeversteher!

Dadurch, dass du vor jeder Trainingseinheit erst einmal den Parcours aufbauen musst, bringst du sofort eine Struktur ins Training. Dein planvolles Vorgehen zeigt deinem Pferd somit, dass es sich auf dich verlassen kann, oder wie es Kirsten beschreibt:

“Das Pferd spürt, dass man selbst voll konzentriert bei der Sache und somit auch ganz bei ihm ist – es entsteht eine Situation echter Partnerschaft. Klingt pathetisch und dabei ist es oft geradezu magisch, was da passiert: ataktische Pferde werden quasi zu Grand-Prix-Siegern und dann dieses Strahlen im Gesicht der Mädels…

Dualaktivierung

Da die Dualaktivierung deinem Pferd zu mehr Balance und durch das Training aller Muskelgruppen auch zu einer besseren Fitness verhilft, wird es für dich umso einfacher, fein mit deinen Hilfen durchzukommen. Du hast keine andere Wahl, als dich voll und ganz auf dein Pferd, aber auch auf deinen eigenen Körper zu konzentrieren und wirst automatisch zu einem besseren Reiter.

Warum auch du die Dualaktivierung öfters in dein Training einbauen solltest!

Die Dualaktivierung eignet sich nicht nur hervorragend zur Gymnastizierung deines Pferdes, hält seinen Körper und Kopf fit, sondern macht vor allem eins: Spaß! Durch die Abwechslung und Struktur im Training schenkst du deinem Pferd neue Motivation und dir gleichzeitig eine tolle Möglichkeit, dein reiterliches Können zu verbessern indem du deine Konzentration steigerst und deine Hilfen verfeinerst. Letztendlich gibt es laut Kirsten drei entscheidende Gründe, warum auch du die Dualaktivierung in dein Training einbauen solltest:

“1. Sie ist die Basisarbeit und bildet die Grundlage für schwierige Lektionen
2. Sie funktioniert in jeder Reitweise
3. Sie dient der langjährigen Gesunderhaltung deines Pferdes”

Lesetipp: Mehr über die Dualaktivierung samt einem tollen Kursbericht erfährst du hier von Miri!

Hast du dich schonmal in der Dualaktivierung probiert und wie sind deine Erfahrungen?
Mehr über Kirsten Fleiser:
Kirsten ist zertifizierte Trainerin für Dualaktivierung, Equiplace und Equikinetic und Mitglied im internationalen Therapeutenverband für Akupunktmassage für Pferde nach Penzel. Sie gibt deutschlandweit und im angrenzenden Ausland Kurse, zudem auch in Spanien und Mallorca. Außerdem kannst du sie bei ihren regelmäßige Demos bei Krämer-Pferdesport Events oder auf anderen Veranstaltungen treffen, wie zum Beispiel beim Krämer Mega Store Event in Lünen/Dortmund am 19. August um 17:30h. Mehr über Kirsten, ihre Trainingsphilosophie und Kurse erfährst du hier auf ihrer Webseite!

 

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4 Kommentare

  1. Danke für diesen lehrreichen Beitrag! Das klingt wirklich sehr spannend und das würde ich auch gerne mal ausprobieren. Weißt du, ob es eine „Low Budget“ Variante der Schaumstoffstangen gibt?

  2. Toller und vor allem hilfreicher Artikel – danke dafür. Unsere Jüngste ist es in einem Alter, in dem sie auch gern Reiten würde und wir versuchen gerade ein paar Informationen dazu zu bekommen, worauf man achten muss etc. Dein Blog ist dafür ja wirklich perfekt. Ich werde mich mal durch stöbern 🙂

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