Kolik Pferd – ein Todesurteil? Die Kolik ist die häufigste Todesursache bei Pferden, und bei einer solcher Diagnose ist vor allem schnelles Handeln nötig. Zudem gibt es ein paar Dinge, die Pferdebesitzer beachten sollten, um eine Kolik zu vermeiden. In diesem Beitrag dreht sich alles um die Kolik: von den Ursachen, über die Vorbeugung und den ersten Anzeichen, bis hin zur Behandlung von Koliken.

Kolik Pferd – eine Todesurteil?

Ursachen, Vorbeugung, Anzeichen und Behandlung von Koliken

Häufigste Todesursache

Die meisten Pferdebesitzer leben mit der Angst, dass ihr Pferd eines Tages an einer Kolik stirbt. Und diese Angst ist nicht unbegründet, denn die häufigste Todesursache bei Pferden sind Koliken. Daher ist es wichtig, viel über die Kolik zu wissen, ihre ersten Anzeichen erkennen zu können, und zu wissen, was bei einer Kolik zu tun ist, aber auch, wie Koliken vermieden werden können.

Was ist eine Kolik?

Eine Kolik ist ein Schmerz, der beim Pferd vom Bauchraum ausgeht. In diesem Sinne ist die Kolik an sich keine Erkrankung, sondern ein Symptom von Krankheiten im Magen oder Darm des Pferdes. Zudem können auch Erkrankungen der Leber und der Galle sowie der Harn- und Geschlechtsorgane zu Schmerzen im Bauchbereich und somit zu Koliken führen. Eine Kolik ist somit ein Anzeichen einer Erkrankung und oftmals können dies lebensbedrohliche Erkrankungen sein.

Ursachen einer Kolik

Dabei können die Ursachen einer Kolik entsprechend vielseitig sein: Oftmals sind es Blähungen oder Verstopfungen, oder Krämpfe im Darm, die eine Kolik auslösen, bis hin zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss. Auch Entzündungen, Blutgerinnsel oder gar Parasiten und eine ungewöhnliche Wetterlage können eine Kolik verursachen.

Mögliche Ursachen einer Kolik
– Blähungen & Verstopfungen
– Darmkrampf (spastische Kolik)
– Darmeinklemmungen & Darmverschiebung
– Magenüberladung (primär & sekundär)
– Darmverschluss (lebensbedrohlich)
– Bauchfell-Entzündung
– Thrombosen (Blutgerinnsel)
– Parasiten-Befall
– ungewöhnliche Wetterlagen

Exkurs Anatomie des Pferdes

Der Darm des Pferdes

Warum Pferde oftmals an Verdauungsstörungen sowie Magen- und Darmerkrankungen leiden, liegt an ihrer Anatomie. Der Darmkanal eines Pferdes ist sehr lang und umfasst mit Dünn- und Dickdarm rund 30 Meter. Dabei liegen die Därme sehr beweglich in der Bauchhöhle des Pferdes und können sich aufgrund der enormen Länge leicht verdrehen, oder noch schlimmer, einklemmen.

Der Magen des Pferdes

Der Magen eines Pferdes ist je nach Größe des Pferdes mit 5-15 Litern Fassungsvermögen vergleichsweise klein. Sowohl der Mageneingang als auch der Magenausgang befinden sich auf der oberen Magenseite und besitzen kräftige Schließmuskeln. Aus diesem Grund kann aufgenommenes Futter nur in die Richtung des Darms weitertransportiert werden, weshalb ein weiteres Problem beim Pferd ist, dass es nicht in der Lage ist zu erbrechen. Auch die Muskulatur der Speiseröhre arbeitet nur in Richtung Magen und bei einer durchschnittlichen Länge von 1.5 Metern würde das Futter schlichtweg in der Speiseröhre stecken bleiben.

Ein großes Problem: Pferde können nicht erbrechen

Die Wichtigkeit der Fluchtmöglichkeit

Diese besondere Anatomie des Verdauungstrakts beim Pferd hat einen ganz einfachen Grund: das Pferd ist ein Fluchttier und muss jederzeit in der Lage sein bei Gefahr im hohen Tempo davon zu rennen. Der lange Weitertransport vom Futter durch den Magen-Darm-Trakt belastet das Pferd nur gering und ermöglicht so eine ständige Flucht, sprich ist perfekt für das Pferd ausgelegt.

Langsame und energiearme Futteraufnahme

Dies ist auch der Grund, warum Pferde ihr Futter langsam und nur portionsweise aufnehmen. Ein Pferd ist in der Natur deshalb bis zu 18 Stunden am Tag mit der Futteraufnahme beschäftigt! Zudem ernähren sich Pferde natürlicherweise nur von energiearmen Futter wie Gräsern.

Wissenswertes:
Du hast sicherlich schon oft beobachtet, dass nervöse oder ängstliche Pferde vermehrt abäpfeln, wenn sie zum Beispiel vom Tierarzt oder Hufschmied behandelt werden. Das liegt daran, dass sie Gewicht loswerden wollen und sich so auf die Flucht vorbereiten. Auch beim Reiten kannst Du bei einigen Pferden häufiges Äpfeln beobachten, teilweise bis zu sechsmal während einer Reitstunde. Dies liegt ebenfalls daran, dass das Pferd beim Reiten stärker gefördert und somit auch erregt ist.

Vorbeugende Maßnahmen

Einigen Ursachen von Koliken können umgangen werden, indem auf kleine, aber wichtige Dinge geachtet wird. Hauptmerkmal sollte eine so natürliche Fütterung sowie artgerechte Haltung wie möglich sein. Wichtig ist vor allem, dass das Pferd portionsweise über den Tag verteilt gefüttert wird, um die Verdauung in Gang zu halten.

Die gängige Fütterungsroutine, einmal morgens, mittags und abends größere Mengen zu Füttern ist deshalb nicht die Beste. Es sollte nicht zu viel auf einmal gefüttert werden, um einer möglichen Magenüberladung vorzubeugen.Zudem sollte natürliches Futter wie Gras und qualitatives Raufutter (Heu) gefüttert werden und sehr sparsam mit energiereichem Futter wie Kraftfutter, aber auch getrocknetem Brot umgegangen werden. Gut ist es, dem Pferd immer die Möglichkeit zu geben, an Heu ranzukommen wie z.B. über ein Heunetz. Auch frisches Wasser sollte jederzeit zur Verfügung stehen! Wenn die Weidesaison beginnt, sollte das Pferd langsam angeweidet werden, um ein zu hohes Aufkommen an Gasen im Magen zu verhindern.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass das Pferd genügend Bewegung bekommt und so wenig Stress wie möglich ausgesetzt wird.

Maßnahmen im Überblick
– portionsweise Fütterung kleinere Mengen über den Tag verteilt
– nur wenig energiereiches Futter (Kraftfutter, Brot, Gemüse)
– immer Heu zur Verfügung (z.B. in Form eines Heunetzes)
– immer frisches Wasser zur Verfügung
– ausreichend Bewegung im Freien
– Stress- oder ungewohnte Situationen vermeiden
– langsam anweiden lassen

Anzeichen und Symptome einer Kolik

Neben vorbeugenden Maßnahmen ist es auch wichtig, die ersten Anzeichen einer Kolik bei seinem Pferd erkennen zu können. Wie prinzipiell im Umgang mit Pferden, sollte jeder Pferdebesitzer stets auf das Verhalten seines Pferdes achten, Unterschiede im Verhalten gezielt erkennen können, und auch entsprechend (schnell) reagieren.

Lesetipp: In diesem Beitrag von Herzenspferd gibt es Tipps, wie Du Schmerzen bei Deinem Pferd erkennen kannst!

Auffälliges Verhalten

Die meisten Pferde äußern eine Kolik und ihr damit verbundenes Unwohlsein sehr deutlich und meistens auch sehr früh. Auffälliges Verhalten ist dabei das erste Anzeichen einer Kolik. Viele Pferde bewegen sich unruhig, scharren mit den Hufen, trippeln hin und her oder wälzen sich. Es gibt aber auch Pferde, die bei einer Kolik ruhig stehen und den Kopf nach vorne strecken. Während Stuten oftmals sogar anfangen zu flehmen. Zudem drehen Pferde ihren Kopf in Richtung ihres Bauches oder treten mit den Hinterbeinen nach ihrem Bauch.

Ungewöhnliche Körperhaltung

Bei schweren Koliken, sprich starken Schmerzen schmeißen sich Pferde rücksichtslos auf den Boden, und wälzen sich, egal wo sie sich gerade befinden. Alternativ nehmen manche Pferde eine ungewöhnliche Körperhaltung an, und setzten sich zum Beispiel wie ein Hund auf ihre Hinterbeine während sie die Vorderbeine nach vorne strecken, oder legen sich auf den Rücken und drücken diesen durch.

Kreislaufprobleme und Futterverweigerung

Weitere Anzeichen sind Schwitzen und Kreislaufprobleme beim Pferd. Dabei erhöht sich der Pulsschlag des Pferdes und es atmet flacher sowie schneller. Zudem verweigern die meisten Pferde bei einer Kolik die Futteraufnahme und fressen nichts mehr.

Veränderungen im Kot & Rülpsen

Bei einem gesunden Pferd ist der Kot apfelförmig, glänzt leicht und sprüht keinen unangenehmen Geruch aus. Sollte sich die Konsistenz, Farbe oder der Geruch des Kots ändern, kann dies ein erstes Anzeichen sein. Zudem rülpsen Pferde bei Magenproblemen wie Übersäuerung oder Fehlgärungen durch falsches Futter. Sollte Rülpsen beim Pferd bemerkt werden, ist auch dies ein erstes Anzeichen, dass mit dem Magen des Pferdes etwas nicht stimmt.

Liste an Anzeichen im Überblick
– unruhiges Hin und Her Bewegen
– mit den Hufen scharren
– vermehrtes, angespanntes Wälzen
– rücksichtsloses Hinwerfen & Aufstehen
– Kopf vermehrt Richtung Bauch drehen
– mit den Hinterbeinen nach dem Bauch treten
– ungewohntes Flehmen bei Stuten
– ungewöhnliche Körperhaltung
– erhöhter Puls
– schnelle und flache Atmung
– Schwitzen
– Veränderungen im Kot
– Rülpsen
– Futterverweigerung

Achtung: Dabei ist die Stärke der Symptome einer Kolik nicht immer ein Indiz für die Schwere der eigentlichen Erkrankung des Pferdes. Einige Koliken können leicht ausfallen, aber eine gefährliche und sogar lebensbedrohliche Ursache haben! Daher sollte keine Kolik auf die leichter Schulter genommen, und in jedem Fall ein Tierarzt hinzugezogen werden!

Untersuchung & Behandlung

Wie bereits betont, sollte in jedem Fall ein Tierarzt hinzugezogen werden – dies ist unumgänglich! Die Frage, die sich bei der Untersuchung und Behandlung einer Kolik stellt, ist, ob es sich um eine nichtoperativ heilbare Kolik handelt, oder ob das Pferd nur durch eine Operation gerettet werden kann, wie bei einem lebensbedrohlichen Darmverschluss.

Erstversorgung

Bis der Tierarzt ankommt, sollten bereits die ersten Maßnahmen getroffen werden. Wichtig ist es, dass das Pferd in Bewegung bleibt und am besten in Ruhe Schritt geführt wird. Dabei sollte es davon abgehalten werden, sich hinzulegen und zu wälzen. Sollte allerdings eine schwere Kolik bestehen, ist es durchaus sinnvoll dem Pferd die Möglichkeit des Hinlegen zu gewähren, damit der Kreislauf des Pferdes nicht zusammenbricht. Zudem kann das Wälzen dabei helfen, Krämpfe oder Verklemmungen zu lösen. Hier sollte sich das Pferd auf sicherem Untergrund wälzen können (z.B. in einer übergroßen Box mit Einstreu oder in der Reithalle) und genügend Abstand vom Pferd gehalten werden.

Wichtig: Auf keinen Fall selbst Medikamente verabreichen, bevor der Tierarzt angekommen ist! Diese können eventuell mehr schaden als helfen und erschweren dem Tierarzt die Diagnose.

Untersuchungsschritte

Die Untersuchung eines Kolik-Pferdes beginnt meistens vor Ort, sprich direkt im Stall. Bei schweren Koliken wird das Pferd sofort in die Klinik gefahren, um weitere Untersuchungen oder im schlimmsten Fall eine Operation durchzuführen. Dabei sind alle im Folgenden genannten Untersuchungsschritte, ihr Ablauf und die Reihenfolge von der Schwere der Kolik sowie ihrer Ursache abhängig!

Vorgeschichte

Der Tierarzt wird sich zunächst erkunden, seit wann das Pferd Anzeichen einer Kolik zeigt, womit es am Tag sowie die Tage zuvor gefüttert wurde, wie es bewegt wurde und ob es irgendwelche ungewöhnliche Situationen gab (besonderer Stress, Futterumstellung etc.). Hier solltest Du die letzen Tage ganz genau reflektieren und so detaillierte Informationen wie möglich geben – jede Einzelheit kann helfen!

Beobachtung & allgemeiner Zustand

Je nach Grad der Kolik, wird der Tierarzt Dein Pferd zunächst beobachten und versuchen anhand der Verhaltensweise erste Schlüsse zu ziehen. Zudem wird eine allgemeine Untersuchung durchgeführt, bei dem der Tierarzt die Temperatur, den Puls sowie die Atmung des Pferdes überprüft.

Überprüfung der Darmaktivität und des Magens

Mit Hilfe eines Stethoskops hört der Tierarzt zudem die Bauchhöhle und den Darm ab. So kann er feststellen, was im Darm Deines Pferdes geschieht und ob ungewöhnliche Darmgeräusche zu hören sind. Außerdem ist es möglich, dass der Tierarzt eine Nasenschlundsonde (einen Schlauch) durch die Nase Deines Pferdes einführt, um so den Inhalt des Magens zu überprüfen und eventuell eingeschlossene Flüssigkeiten sowie Gas entweichen zu lassen.

Rektale Untersuchung & Blutabnahme

Der Tierarzt wird außerdem eine rektale Untersuchung durchführen. Da sich viele Darmteile beim Pferd durch die Darmwand hindurch ertasten lassen, kann der Tierarzt so eine Veränderung des Darms erkennen und bereits eine erste Diagnose abliefern. Außerdem kann es sein, dass der Tierarzt Deinem Pferd Blut abnimmt, um so den Grad der Austrocknung festzustellen.

Notiz: Die meisten Pferde lassen die Untersuchungen ohne Anstand über sich ergehen. Bei manchen Pferden ist es allerdings notwendig, Beruhigungsmittel zu verabreichen.

Gängige Behandlungsmethoden & Medikamente

Wie bereits erwähnt, hängt die Behandlung ganz von der Schwere sowie Ursache der Kolik ab. Oftmals reicht eine konservative Versorgung (nicht-chirurgisch) und das Pferd wird mit Hilfe kleinerer Behandlungsmaßnahmen sowie der Verabreichung von Medikamenten wieder fit. Doch in manchen Fällen ist der Grad der Kolik und die Ursache lebensbedrohlich, weshalb nur noch ein operativer Eingriff Rettung versprechen kann.

Die Frage: Nichtoperative Heilung oder Rettung durch Operation?

Nichtoperative Heilung

Bei Koliken wie z.B. der spastischen Kolik (Darmkrämpfe), der Gaskolik oder der Anschoppungskolik (Ansammlung und Eintrocknung von Futter im Darm) reicht meistens die Zufuhr von Medikamenten oder die intravenöse Gabe von Masseninfusionen. Neben Schmerzmitteln, werden Pferden auch krampflösende Medikamente verabreicht, um so die Bauchhöhle zu entspannen. Sofern die Kolik kreislaufbedingt ist, werden auch kreislaufstabilisierende Medikamente gegeben. Zudem kommen abführende Mittel zum Einsatz, um den Magen und Darm zu leeren. Oftmals geht dies mit einer abführenden Diät einher. Wie bereits geschildert, kommt des Öfteren eine Nasenschlundsonde zum Einsatz, durch die Flüssigkeiten und Gase aus dem Magen abgelassen werden können.

Lesetipp: Pfridolin erzählt in diesem Beitrag, wie sich die Kolik aus Pferdesicht anfühlt!

Operativer Eingriff

Bei lebensbedrohlichen Koliken wie z.B. beim Darmverschluss hilft nur ein operatives Eingreifen. Dazu wird das Pferd narkotisiert und ihm wird die Bauchhöhle aufgeschnitten. Bei solch einem operativen Eingriff entscheidet sich meist erst auf dem OP-Tisch wie schwerwiegend die Kolik ist, und ob eine Operation tatsächlich Heilung verspricht. Teilweise müssen ganze Darmteile entfernt werden, weil diese abgestorben sind. Es gibt zudem Pferde, die noch auf dem OP-Tisch eingeschläfert werden, da die Kolik bereits zu weit fortgeschritten und eine Rettung nicht mehr möglich ist. Dies ist der Fall, wenn bereits zu viel Darm abgestorben ist oder Teile nicht mehr wiedervereint werden können.

Heilungschancen

Die Heilungschancen stehen vor allem bei einer konservativen Heilung sehr gut, und das Pferd sollte bereits nach Vergabe der Medikamente erste Zeichen der Besserung zeigen. Bei einem operativen Eingriff hängt die Heilung nicht nur von der Narkose, vom Verlauf der eigentlichen Operation, und einem sicheren Erwachen sowie dem ersten Aufstehen ab, sondern vor allem von dem, was nach der Operation passiert.

Tage nach der Operation

Selbst nach einer (erfolgreichen) Operation, kann noch nicht davon ausgegangen werden, dass das Pferd die Kolik überlebt. Die ersten 10 Tage nach der Kolik-Operation müssen gut überstanden werden. Dabei ist vor allem eine Frage entscheidend: Fängt der Darm des Pferdes wieder an von selbst zu arbeiten? Nur wenn das Pferd ohne externe Einwirkung und Medikamentenzufuhr in der Lage ist, den Darm selbstständig zu tätigen, kann von einer erfolgreichen Operation ausgegangen werden. Es gibt Pferde, bei denen dies nicht der Fall ist und die wenige Tage nach der Operation eingeschläfert werden müssen, da keine Darmaktivität festgestellt werden kann.

Überlebensrate & Zukunftsaussichten

Die Überlebensrate bei Kolik-Operation liegt bei durchschnittlich 70-80 %. Umso früher das Pferd stationär behandelt wird, desto höher sind auch seine Überlebenschancen – deshalb ist ein schnelles Handeln bei einer Kolik auch so wichtig! Ca. 6-10 Wochen nach der Operation kann das Pferd meistens wieder geritten werden, doch ist in den Wochen nach der Operation immer höchste Vorsicht geboten.

Durchschnittlich 70-80 % der Pferde überleben eine Kolik-Operation

Wirklich operieren?
Sei Dir immer im Klaren, dass eine Operation sehr anstrengend für Dein Pferd ist und immer noch ein Viertel aller Tiere sterben. Die Tage nach der OP sind für Pferde eine Tortur, oftmals muss der Magen mehrfach am Tag über eine Nasen-Schlund-Sonde abgepumpt werden und sie hängen am Tropf. Wenn Dein Pferd über den Berg ist, muss es im Stall erstmal für einige Zeit in die Box und darf nur vorsichtig bewegt und gefüttert werden. Es verliert also sehr an Lebensqualität. Auch wenn es schwer fällt, ist es manchmal die bessere Entscheidung, dass Pferd einzuschläfern statt es operieren und leiden zu lassen, gerade wenn die Kolik schon sehr weit fortgeschritten ist.

Kosten einer Kolik-OP

Wenn Du Dich für eine OP entscheidest, musst Du Dir auch über die Kosten einer Kolik-OP Gedanken machen. Die reine Operation kostet im Schnitt bereits 2.000,- Euro und bei Komplikationen in den Tagen nach der OP kann die Rechnung schnell nach oben schießen und bis zu 6.000,- Euro kosten. Dazu kommen Behandlungs- und Untersuchungskosten in den Wochen nach der OP. Viele Kliniken bieten dafür die Möglichkeit der Ratenzahlung an, sodass Du die Rechnungen nicht auf einmal begleichen musst.

Fazit:

Die Kolik bleibt ein ernstzunehmendes Symptom und ist immer noch die häufigste Todesursache bei Pferden. Um Koliken vorzubeugen, ist vor allem eine artgerechte Fütterung und Haltung wichtig: dazu gehört eine portionsweise und energiearme Fütterung, genügend frisches Wasser sowie viel Bewegung. Jeder Pferdebesitzer sollte in der Lage sein, die ersten Anzeichen einer Kolik zu erkennen und entsprechend schnell zu handeln. Gerade auffälliges Verhalten wie vermehrtes Hinlegen und Wälzen sowie Schweißausbrüche können eine Kolik andeuten. In jedem Fall sollte ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, um zu entscheiden, ob eine nichtoperative Heilung möglich ist, oder ob eine Kolik-Operation die einzige Rettung ist.

Wie ist Deine Erfahrung mit Koliken? Hat Dein Pferd oder ein bekanntes Pferd schonmal eine Kolik gehabt? Hast Du noch weitere Tipps, oder möchtest Deine Erfahrungen zu diesem Thema teilen? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar!

Bild: www.depositphotos.com – mari_art

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15 Kommentare

  1. Hallo liebes Kulturreiter-Team, vielen Dank für diesen Betrag. Da ich auf einer Reitanlage lebe, bekomme ich häufig Koliken mit. Was wir immer noch machen, nachdem der TA da war , ist das Pferd viertel Runden an der Longe zu Traben um den Trakt in Schwung zu bekommen. Zu den Anzeichen sind bei Stuten oft das pflämen, das beobachte ich sehr häufig. Bis jetzt haben wir jede Kolik gut überstanden. Alles liebe, Sabrina aus Darmstadt

    • Hallo liebe Sabrina,
      danke, dass Du Deine Erfahrungen teilst! Das Flehmen bei Stuten wurde nun entsprechend im Text ergänzt :) Der Tipp, das Pferd traben zu lassen, ist ebenfalls sehr hilfreich – danke! Alles Liebe und weiterhin alles Gute mit den Pferden,
      Line / Kultreiter

      • Hallo liebe Irene,
        wie schön von Dir zu lesen! :)
        Mir geht es sehr gut, ich bin gerade in Neuseeland unterwegs und mal wieder eher selten in Deutschland 😉 Wie geht es Dir / Euch? Vielleicht schaffe ich es im Sommer mal vorbei zu kommen, würde mich freuen! Ein Besuch in Köln ist auf jeden Fall geplant!
        Alles Liebe und Grüße!
        Line

  2. Es gibt auch Pferde, die legen sich einfach ruhig hin, oft zu ungewöhnlichen Zeiten oder an ungewöhnlichen Orten, z.B. auf dem befestigten Freßplatz, zeigen aber sonst keine weiteren Auffälligkeiten. Oft ist das bei Ponys der Fall. Hat man einen solchen Vertreter heißt es gut zu beobachten, falls einem ein abweichendes Verhalten auffällt.

    • Hallo liebe Heike,
      danke Dir für diesen Hinweis! Wie immer, muss man als Pferdebesitzer bei auffälligem Verhalten ganz genau beobachten und achtsam sein. Eine Kolik äußert sich manchmal eben nur in solchen Kleinigkeiten, und kann doch so schlimm enden.
      Alles Liebe!
      Line / Kultreiter

  3. Super, vielen Dank für deinen Artikel!

    Ganz wichtiges Thema für ALLE, die irgendwie mit Pferden zu tun haben – auch wenn es „nur“ Zaungäste sind, die mal schauen wollen. Rechtzeitige Hilfe und Hinweise können Leben retten und die Information ist daher enorm wichtig.

    • Hallo Angelika,

      es überleben 70 bis 80 Prozent die OP, das sind also im Schnitt 75 %. Und daraus folgt, dass ein Viertel leider nicht überleben!

      Alles Liebe,

      Line / Kultreiter

  4. Das erste Anzeichen von einer Kolik ist immer noch, dass das Pferd nicht frisst. Sobald das Pferd nicht frisst ist Vorsicht geboten und es sollte sicherheitshalber ein Tierarzt gerufen werden. Dieser Hinweis fehlt in eurem Artiekl leider völlig. Wenn die Pferde sich schon wälzen und mit den Hufen scharren, ist die Kolik meist schon fortgeschritten.

    Die unterschwellig herauszulesende negative Einstellung gegenüber einer Bauchhöhlen-Operation ist in einem rein informativen Artikel unangebracht. Es gibt leider oftmals Koliken die Darmverschlingungen oder ähnliche Ursachen zur Folge haben und konservativen nicht behandelbar sind, nur ein operativer Eingriff kann das Pferd dann retten. Selbstverständlich ist ein solcher eine hohe Belastung für das Tier und bringt danach eine lange Rehabilitaionsphase mit sich. Das ist jedoch nichts, was ein Pferdeleben nicht mehr lebenswert macht. Man sollte sich vor solchen Äußerungen vor Auge führen, das Pferde bei guter Haltung und Pflege gut 30 Jahre alt werden. Wenn es einem Pferd davon mal ein paar Tage sehr schlecht geht und es danach in der Box bleiben muss, ist das zwar bedauerlich, aber kein vernünftiges Argument, um zu entscheiden, das Pferdeleben sei nicht mehr lebenswert!

    • Hallo Julia,

      vielen Dank für Deinen Hinweis! Dass ein Pferd nicht frisst, sollte tatsächlich jeden Besitzer in Alarm schlagen und kann ebenfalls ein erstes Zeichen einer Kolik sein.

      Deine Kritik, dass hier eine operative Behandlung negativ gesehen wird, kann ich so allerdings nicht stehen lassen. Es geht schlichtweg darum, darauf hinzuweisen, dass es nach einer erfolgreichen Operation immer noch sehr lange dauern kann – und hier reden wir nicht von ein paar Tagen, sondern eben von Monaten – bis das Pferd wieder völlig gesund ist, und das eben dieser Weg fürs Pferd großes Leid darstellen kann – mehr nicht. Alles andere ist Deine subjektive Interpretation.

      Ich selbst habe mich bei meinem Pferd für einen operativen Eingriff entschieden, obwohl viele in meinem Stall sich wohl anders entschieden hätten. Leider hat der Darm meines Pferdes nach der OP nicht mehr von alleine angefangen zu arbeiten, weshalb ich ihn 3 Tage später einschläfern lassen musste. Dieser Artikel ist mir entsprechend nicht leicht gefallen…Und was angebracht ist oder nicht, entscheide in diesem Fall immer noch ich.

      Liebe Grüße,

      Line / Kultreiter

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